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23 provisions
Art. 1
Zweck
1 Die Vereinbarung regelt den interkantonalen Zugang zu den Fachhochschulen und die Abgeltung, welche die Wohnsitzkantone der Studierenden den Trägern von Fachhochschulen leisten.
2 Sie fördert damit den interkantonalen Lastenausgleich, die Freizügigkeit für
Studierende sowie die Optimierung des Fachhochschulangebots. Sie trägt zu
einer koordinierten schweizerischen Hochschulpolitik bei.
Art. 2
Subsidiarität zu anderen Vereinbarungen
1 Interkantonale Vereinbarungen, die die Mitträgerschaft oder Mitfinanzierung
einer oder mehrerer Fachhochschulen regeln, gehen dieser Vereinbarung vor.
Vorausgesetzt wird, dass die finanziellen Abgeltungen gesamthaft mindestens
so hoch sind, wie sie der Abschnitt II der vorliegenden Vereinbarung vorsieht
und dass die Gleichberechtigung der Studierenden (Art.3 Abs.2, Art.6 und 7)
gewährleistet ist.
Art. 3
Grundsätze
1 Der Wohnsitzkanton der Studierenden leistet den Trägern von Fachhochschulen Beiträge an die Ausbildungskosten.
2 Die Fachhochschulträger gewähren den Studierenden aus allen Vereinbarungskantonen die gleiche Rechtsstellung. Soweit die Kantone nicht selber
Träger der Fachhochschulen sind, verpflichten sie die ihnen verbundenen
Schulen zur Gleichbehandlung.
Art. 4
Beitragsberechtigte Studiengänge
1 Als beitragsberechtigt gelten anerkannte Diplomstudiengänge kantonaler oder
interkantonaler Fachhochschulen. Die Anerkennung richtet sich nach dem
Fachhochschulgesetz des Bundes oder der Interkantonalen Diplomvereinbarung. Bei zweistufig geführten Diplomstudiengängen (Bachelor- und Masterstudien) sind beide Studienstufen beitragsberechtigt.
* Änderungstabellen am Schluss des Erlasses
05-48
439.21-1 2
2 Anerkannte Studiengänge, die von einem privaten Träger geführt werden,
aber von einem Kanton oder einer Gruppe von Kantonen mitfinanziert werden,
sind beitragsberechtigt, sofern sie von der Kommission FHV als beitragsberechtigt erklärt werden. Voraussetzung dazu ist, dass der mitfinanzierende
Kanton oder die mitfinanzierenden Kantone für ihre Studierenden mindestens
dieselben Leistungen erbringen, wie sie die vorliegende Vereinbarung vorsieht.
3 Andere anerkannte Studiengänge können auf Gesuch des Standortkantons
von der Kommission FHV als beitragsberechtigt anerkannt werden. In diesem
Fall werden nur jene Kantone zahlungspflichtig, die sich dazu ausdrücklich verpflichten.
Art. 5
Wohnsitzkanton
1 Als Wohnsitzkanton von Studierenden gilt:
a der Heimatkanton für Schweizerinnen und Schweizer, deren Eltern im
Ausland wohnen oder die elternlos im Ausland wohnen; bei mehreren
Heimatkantonen gilt das zuletzt erworbene Bürgerrecht,
b der zugewiesene Kanton für mündige Flüchtlinge und Staatenlose, die elternlos sind oder deren Eltern im Ausland wohnen; vorbehalten bleibt
Buchstabe d,
c der Kanton des zivilrechtlichen Wohnsitzes für mündige Ausländerinnen
und Ausländer, die elternlos sind oder deren Eltern im Ausland wohnen;
vorbehalten bleibt Buchstabe d,
d der Kanton, in dem mündige Studierende mindestens zwei Jahre ununterbrochen gewohnt haben und, ohne gleichzeitig in Ausbildung zu sein, finanziell unabhängig gewesen sind; als Erwerbstätigkeit gelten auch die
Führung eines Familienhaushalts und das Leisten von Militärdienst,
e in allen übrigen Fällen der Kanton, in dem sich bei Studienbeginn der zivilrechtliche Wohnsitz der Eltern befindet, bzw. der Sitz der zuletzt zuständigen Vormundschaftsbehörde.
Art. 6
Umleitung von Studierenden
1 Wenn in einem Studiengang die Studienplatzkapazitäten einer Schule ausgeschöpft sind, können Studienanwärterinnen und Studienanwärter sowie Studierende an andere Schulen umgeleitet werden, sofern diese freie Studienplätze
zur Verfügung stellen. Die Kommission FHV bestimmt das Verfahren und die
für die Umleitung zuständige Stelle.
3 439.21-1
Art. 7
Behandlung von Studierenden aus Nichtvereinbarungskantonen
1 Studierende und Studienanwärterinnen und Studienanwärter aus Kantonen,
welche dieser Vereinbarung nicht beigetreten sind, haben keinen Anspruch auf
Gleichbehandlung. Sie werden an eine Schule zugelassen, wenn die Studierenden aus den Vereinbarungskantonen Aufnahme gefunden haben.
2 Studierenden aus Kantonen, welche dieser Vereinbarung nicht beigetreten
sind, wird nebst den Studiengebühren eine Gebühr auferlegt, welche mindestens dem Beitrag der Vereinbarungskantone entspricht.
2 Beiträge
Art. 8
Bemessungsgrundlage
1 Die Beiträge werden in Form von Pauschalbeiträgen pro Studierenden festgelegt.
2 Die Konferenz der Vereinbarungskantone kann auf Antrag der Kommission
FHV beschliessen, für einzelne oder alle Studiengänge ein anderes Abgeltungsmodell anzuwenden. Ein entsprechender Beschluss bedarf der Mehrheit
von zwei Dritteln der Konferenzmitglieder.
Art. 9
Höhe der Beiträge
1 Die Studiengänge werden nach Studienbereichen in Gruppen zusammengefasst.
2 Massgebend für die Festlegung der Beiträge sind die durchschnittlichen Ausbildungskosten pro Gruppe, d. h. die Betriebskosten, abzüglich der individuellen Studiengebühren, der Infrastrukturkosten und allfälliger Bundesbeiträge.
3 Die Beiträge werden so festgelegt, dass sie pro Gruppe 85% der Ausbildungskosten decken. Zuständig für die Festlegung der Beiträge ist die Konferenz der Vereinbarungskantone. Der Beschluss bedarf der Mehrheit von zwei
Dritteln der Konferenzmitglieder.
Art. 10
Abzug bei hohen Studiengebühren
1 Die Schulen können angemessene individuelle Studiengebühren erheben.
Die Kommission FHV legt die anrechenbaren Mindest- und Höchstbeträge je
Studiengang fest. Übersteigen diese Gebühren die von der Kommission FHV
festgelegte Höchstgrenze, werden die Beiträge für den entsprechenden Studiengang gekürzt.
439.21-1 4
3 Vollzug
Art. 11
Die Konferenz der Vereinbarungskantone
1 Die Konferenz der Vereinbarungskantone setzt sich aus je einer Vertretung
der Kantone zusammen, die der Vereinbarung beigetreten sind. Der Bund kann
sich mit beratender Stimme vertreten lassen.
2 Ihr obliegen folgende Aufgaben:
a die Wahl der Mitglieder und des bzw. der Vorsitzenden der Kommission
FHV,
b die Wahl der Mitglieder der Schiedsinstanz,
c die Festlegung der Beiträge gemäss Art. 9,
d die Festlegung eines abweichenden Abgeltungsmodells gemäss Art. 8,
e die Abnahme der Berichterstattung der Kommission FHV.
3 Sie erlässt Vorschriften über die Dauer der Zahlungspflicht für die einzelnen
Studiengänge.
Art. 12
Kommission FHV
1 Für den Vollzug setzt die Konferenz der Vereinbarungskantone eine Kommission Fachhochschulvereinbarung (Kommission FHV) ein.
2 Sie setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen, welche für eine Amtsdauer
von vier Jahren gewählt sind. Zwei Mitglieder werden von der Konferenz der
kantonalen Finanzdirektoren vorgeschlagen.
3 Der Kommission FHV obliegen insbesondere die folgenden Aufgaben:
a die Überwachung des Vollzugs, insbesondere auch der Geschäftsstelle,
b die jährliche Berichterstattung an die Konferenz der Vereinbarungskantone,
c die Antragsstellung für die Festlegung der Beiträge und der Dauer der
Zahlungspflicht für die einzelnen Studiengänge,
d die Antragsstellung für die Festlegung eines abweichenden Abgeltungsmodells gemäss Art. 8,
e die Festlegung der Mindest- und Höchstgrenze für die individuellen Studiengebühren,
f die Regelung der Rechnungslegung, der Beitragszahlung, der Termine
und Stichdaten sowie der Verzugszinse,
g die Einteilung neu anerkannter bzw. im Anerkennungsverfahren befindlicher Studiengänge nach Artikel 9 Absatz 1 und Artikel 21.
5 439.21-1
Art. 13
Geschäftsstelle
1 Das Generalsekretariat der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) ist Geschäftsstelle dieser Vereinbarung.
Art. 14
Liste der beitragsberechtigten Studiengänge
1 Die beitragsberechtigten Studiengänge und die Beitragshöhe werden in einem Anhang aufgeführt.
Art. 15
Ermittlung der Studierendenzahl
1 Die Studierendenzahl wird nach den Kriterien des Schweizerischen Hochschulinformationssystems des Bundesamtes für Statistik ermittelt.
2 Jede Schule erstellt eine Namensliste der Studierenden zuhanden des zahlungspflichtigen Kantons. Diese enthält den massgeblichen Wohnsitzkanton
gemäss Artikel 5 und führt die Studierenden gemäss den Gruppen getrennt
auf.
Art. 16
Vollzugskosten
1 Die Kosten des Vollzugs dieser Vereinbarung sind durch die Vereinbarungskantone nach Massgabe der Zahl ihrer Studierenden zu tragen. Sie werden ihnen jährlich in Rechnung gestellt. Für besondere Abklärungen, die sich nur auf
einzelne Kantone und Schulen beziehen, können, auf Beschluss der Kommission FHV, die Kosten auf die betroffenen Kantone abgewälzt werden.
4 Rechtspflege
Art. 17
Schiedsinstanz
1 Die Konferenz der Vereinbarungskantone setzt eine Schiedsinstanz mit sieben Mitgliedern ein. Sie bestimmt deren Präsidentin oder Präsidenten.
2 Die Schiedsinstanz entscheidet in einer Besetzung von drei Mitgliedern, von
denen sich keines aus den direkt betroffenen Kantonen befinden darf.
3 Die Schiedsinstanz entscheidet endgültig über strittige Fragen betreffend
a die Zahl der Studierenden,
b den massgebenden Wohnsitz,
c die Zahlungspflicht der Kantone.
4 Die Bestimmungen des Konkordats über die Schiedsgerichtsbarkeit vom 27.
März 1969 (SR 279) finden Anwendung.
439.21-1 6
Art. 18
Bundesgericht
1 Vorbehältlich von Artikel 17 entscheidet das Bundesgericht über Streitigkeiten, die sich aus dieser Vereinbarung zwischen den Kantonen ergeben, auf
staatsrechtliche Klage hin gemäss Artikel 83 Absatz 1 Buchstabe b des Bundesgesetzes über die Bundesrechtspflege vom 16. Dezember 19431).
5 Übergangs- und Schlussbestimmungen
Art. 19
Beitritt
1 Der Beitritt zu dieser Vereinbarung ist dem Generalsekretariat der EDK mitzuteilen. Mit dem Beitritt verpflichten sich die Kantone, die für den Vollzug dieser
Vereinbarung notwendigen Daten in vorgeschriebener Weise zur Verfügung zu
stellen.
Art. 20
In-Kraft-Treten
1 Diese Vereinbarung tritt auf den Beginn des Studienjahres 2005/2006 in Kraft.
Bedingung für das In-Kraft-Treten ist, dass mindestens fünfzehn Kantone den
Beitritt erklärt haben.
Art. 21
Fachhochschulen im Anerkennungsverfahren
1 Die Kommission FHV bestimmt diejenigen Studiengänge, für die bereits im
Anerkennungsverfahren Beiträge geleistet werden und teilt sie in die Gruppen
ein. Massgeblich ist, ob der Studiengang Aussicht auf Anerkennung hat (Art. 4
Abs.1). Es ist eine Stellungnahme der zuständigen Anerkennungskommission
einzuholen.
Art. 22
Kündigung
1 Die Vereinbarung kann unter Einhaltung einer Frist von zwei Jahren jeweils
auf den 30. September durch schriftliche Erklärung an die Kommission FHV
gekündigt werden; erstmals auf den 30. September 2008.
2 Kündigt ein Kanton die Vereinbarung, bleiben seine Verpflichtungen aus der
Vereinbarung für die zum Zeitpunkt des Austrittes eingeschriebenen Studierenden bis zum Ende ihres Studiums weiter bestehen. Ebenso bleibt der Anspruch
der betreffenden Studierenden auf Gleichbehandlung gemäss Art. 3 weiter bestehen.
1) SR 173.110
7 439.21-1
Art. 23
Fürstentum Liechtenstein
1 Dieser Vereinbarung kann das Fürstentum Liechtenstein auf der Grundlage
seiner eigenen Gesetzgebung beitreten. Ihm stehen alle Rechte und Pflichten
der andern Vereinbarungspartner zu. Nach liechtensteinischem Recht anerkannte Fachhochschulen oder Fachhochschul- Studiengänge sind wie die entsprechenden nach schweizerischem Recht anerkannten Fachhochschulen
oder Fachhochschul-Studiengänge zu behandeln.
A1 Anhang 1
Art. A1-1
1 Der Anhang wird von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren, Zähringerstrasse 25, 3001 Bern, publiziert und kann dort bezogen werden.
Homepage: http://www.edk.ch
439.21-1 8
Änderungstabelle - nach Beschluss
Beschluss Inkrafttreten Element Änderung BAG-Fundstelle
12.06.2003 01.09.2005 Erlass Erstfassung 05-48
9 439.21-1
Änderungstabelle - nach Artikel
Element Beschluss Inkrafttreten Änderung BAG-Fundstelle
Erlass 12.06.2003 01.09.2005 Erstfassung 05-48