Gegenstand
1 Das Gesetz ordnet die Raumplanung auf Gebiet des Kantons Graubünden. Es bestimmt die von den Gemeinden, von den Regionen und vom Kanton zu erfüllenden
Aufgaben. *
2 Das Gesetz legt kantonale Bau- und Zonenvorschriften fest. Es regelt die durch das
kantonale Recht bestimmten Verfahren.
Art. 2
Planungspflicht
1 Gemeinden, Regionen und Kanton sorgen für die Planung im Sinne der Raumplanungsgesetzgebung. Sie berücksichtigen die Anliegen der Raumplanung auch bei ihren übrigen Tätigkeiten. *
2 Gemeinden, Regionen und Kanton erfüllen ihre Aufgaben im gegenseitigen Einvernehmen und stimmen ihre Grundlagen, Planungen und raumwirksamen Tätigkeiten aufeinander und mit den Grundlagen, Konzepten und Sachplanungen des Bundes
sowie den Planungen der benachbarten Kantone und Länder ab. *
1) GRP 2004/2005, 284 (1. Lesung) und GPR 2004/2005, 813 (2. Lesung)
2) BR 110.100
3) Seite 257
Art. 3 * Änderungstabellen am Schluss des Erlasses
Planungsträger
1 Die Ortsplanung ist Aufgabe der Gemeinden. Sie erfüllen diese Aufgabe im Rahmen des übergeordneten Rechts autonom.
2 Die überörtliche Planung ist in der Regel Sache der Regionen und des Kantons. *
3 Die Regierung führt die Aufsicht über die Raumplanung. Sie bezeichnet das zuständige Departement (Departement) und die Fachstelle für Raumplanung (Fachstelle).
Art. 4
Information, Mitwirkung, kooperative Planung
1 Die Behörden informieren die Öffentlichkeit angemessen über Grundlagen, Ziele
und Ablauf von Planungen und sorgen dafür, dass Interessierte bei Planungen in geeigneter Weise mitwirken können.
2 Die Planungsträger können mit Privaten Vereinbarungen abschliessen, insbesondere über den zeitlichen Ablauf von Planungen, die anzustrebende Siedlungsqualität
und den Zeitpunkt der Ausführung von Bauvorhaben. Betreffen Vereinbarungen Gegenstände, die zum Mindestinhalt einer Planung gehören, stehen sie unter dem Vorbehalt des Entscheids der für den Erlass und die Genehmigung der Planung zuständigen Behörden. *
Art. 5
Verfahren, Erledigungsfristen
1 Für die in diesem Gesetz und in der Verordnung festgelegten Verfahren für Planungen, Bauvorhaben, Landumlegungen und die Erhebung von Erschliessungsabgaben gilt ausschliesslich kantonales Recht, soweit die Gemeinden und Regionen nicht
ausdrücklich ermächtigt oder verpflichtet werden, abweichende oder ergänzende
eigene Verfahrensvorschriften zu erlassen oder bestimmte Verfahren selbst zu regeln. *
2 Die zuständigen Behörden erledigen Gesuche in den in diesem Gesetz oder in der
Verordnung festgelegten Ordnungsfristen, sofern nichts anderes vereinbart wurde.
Die Fristen beginnen, sobald die Gesuche formell richtig und vollständig vorliegen,
sofern nichts anderes bestimmt ist.
3 Kann eine Frist ausnahmsweise nicht eingehalten werden, teilt die zuständige Behörde die Verzögerung den Betroffenen vor Ablauf der Frist mit kurzer Begründung
und unter Bekanntgabe einer neuen Erledigungsfrist mit.
Art. 6
Mediation
1 Die Einsprache- und Rechtsmittelbehörden können hängige Verfahren jederzeit zugunsten einer Mediation sistieren, wenn die Parteien dies gemeinsam beantragen.
Einzelheiten regelt die Regierung durch Verordnung.
2 Zugeständnisse einer Partei im Rahmen einer Mediation dürfen nicht in den Prozess eingebracht werden und bilden keinen Beweis. Wer als Mediatorin oder Mediator tätig war, ist im Prozess von Mediationsparteien als Rechtsvertreter, Zeuge oder
Auskunftsperson ausgeschlossen.
Art. 7
Grundlagen
1 Die Planungsträger beschaffen die für ihre Planungen notwendigen Grundlagen.
Sie stimmen die Beschaffung der Grundlagen gegenseitig ab und sorgen für deren
Austausch. Einzelheiten regelt die Regierung durch Verordnung.
2 Die Planungsträger beobachten und analysieren die räumliche Entwicklung und
stützen ihre Planungen darauf ab. Das Departement erteilt dem Bundesamt die erforderlichen Auskünfte.
3 Die kantonalen Dienststellen arbeiten zusammen und stellen die erforderliche
kantonsinterne Abstimmung der Grundlagen sicher.
4 Die Grundlagen sind öffentlich und können von jedermann eingesehen werden. Ihre Rechtswirkung richtet sich nach der einschlägigen Gesetzgebung.
Art. 8
Digitalisierung
1 Grundlagen und Planungsmittel werden digital erstellt und bewirtschaftet.
2 Pläne sind aus den digitalen Daten erstellte graphische Auszüge. Solange die Regierung nichts anderes bestimmt, kommt nur dem graphischen Auszug Rechtswirkung zu.
3 Raumplanungsdaten werden von den Planungsträgern und Dienststellen gegenseitig abgegeben. *
Art. 9
Förderung
1 Das Departement und die Fachstelle können im Rahmen ihrer Zuständigkeit unterstützende Massnahmen zur Gewährleistung einer nachhaltigen räumlichen Entwicklung und zur Umsetzung des Raumordnungsrechts treffen.
2 Das Departement und die Fachstelle können Bestrebungen der Gemeinden zur Bildung gemeinsamer Bauämter und Fachgremien mit Beratungsfunktion in Bau- und
Planungsfragen unterstützen.
Art. 10
Kantonsbeiträge
1. Grundsatz, Voraussetzungen
1 Der Kanton kann im Rahmen der verfügbaren Mittel Beiträge ausrichten an
Gemeinden und Regionen sowie an Organisationen, Institutionen und andere
Projektträger für: *
1. * Grundlagen und Planungen mit Ausnahme der kommunalen Nutzungsplanung;
2. Projekte wie Konzepte, Untersuchungen, Studien, Leitbilder, Analysen, die
der nachhaltigen räumlichen Entwicklung des Kantons, der Regionen, Agglomerationen und Gemeinden, der Verbesserung der Zusammenarbeit, gegenseitigen Information und Grundlagenkenntnisse, der Aus- und Weiterbildung von
Personen mit raumplanerischen Aufgaben oder dem Vollzug dienen;
3. Wettbewerbe, Vollzugshilfen.
2 Der Kanton kann ferner Betriebsbeiträge ausrichten an Organisationen und Fachgremien, die in besonderem Masse und regelmässig auf dem Gebiet der Raumplanung beratend und informierend tätig sind.
3 Die Gewährung von Beiträgen setzt insbesondere voraus, dass die Arbeiten im
kantonalen Interesse liegen und unter fachkundiger Leitung ausgeführt werden.
Art. 11
2. Bemessung
1 … *
2 … *
3 … *
4 Beiträge sind nach der raumplanerischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung
Art. 12 abzustufen und betragen maximal 50 Prozent der anrechenbaren Kosten. *
3. Zusicherung, Rechtsmittel
1 Beiträge werden von der Regierung auf Grund von Arbeitsprogrammen und
Kostenschätzungen zugesichert. Die Regierung kann diese Kompetenz an das Departement und die Fachstelle delegieren.
2 Die Zusicherung erfolgt in der Regel im Rahmen von Leistungsvereinbarungen,
welche mindestens die Zielsetzung, die Leistungen des Beitragsempfängers und der
Fachstelle, das Zeitprogramm, die anrechenbaren Kosten sowie die Modalitäten der
Abrechnung und Auszahlung des Beitrags und der Leistungsprüfung enthalten.
3 Bei Streitigkeiten über Beiträge sowie bei weiteren Auseinandersetzungen aus
Leistungsvereinbarungen entscheidet die Regierung. Erfolgt die Zusicherung durch
die Fachstelle, entscheidet das Departement.
4 Entscheide des Departements können mit Verwaltungsbeschwerde an die Regierung weitergezogen werden. *
5 Über die Zusicherung oder Verweigerung von Beiträgen, auf die kein gesetzlicher
Anspruch besteht, entscheidet die Regierung endgültig. *
2. Kantonsplanung
2.1. ALLGEMEINES
Art. 13
Grosser Rat
1 Die Regierung erstattet dem Grossen Rat periodisch Bericht über die Raumordnung und Raumentwicklung.
2.2. KANTONALE RICHTPLANUNG
Art. 14
Kantonaler Richtplan
1 Der Richtplan Graubünden und dessen Änderungen werden vom Kanton und den
Regionen partnerschaftlich erarbeitet. *
1bis Der Grosse Rat legt die kantonale Raumentwicklungsstrategie und deren Änderungen fest. *
2 Zuständig für Beschlüsse über Erlass und Änderungen des kantonalen Richtplans
ist die Regierung. Sie trägt dabei den Beschlüssen des Grossen Rates nach Absatz 1bis Rechnung. Fortschreibungen sind in der Regel Sache des Departements. *
3 Die Regierung regelt durch Verordnung das Richtplanverfahren.
2.3. KANTONALE NUTZUNGSPLANUNG
Art. 15
Kantonale Nutzungspläne
1 Die Regierung kann unter Berücksichtigung der Interessen der Gemeinden mit den
gleichen Rechtswirkungen, wie sie für Nutzungspläne der Gemeinden gelten, kantonale Nutzungspläne für Vorhaben von besonderer kantonaler Bedeutung wie Verkehrs-, Versorgungs- und Entsorgungsanlagen sowie Produktions- und Dienstleistungsbetriebe erlassen. Sie hebt solche Nutzungspläne wieder auf, wenn die
Gemeinden in ihren Grundordnungen den übergeordneten Anliegen hinreichend
Rechnung tragen.
2 Die Regierung kann auf Antrag der Gemeinden kantonale Nutzungspläne auch für
gemeindeübergreifende Planungsvorhaben erlassen, wenn dies der Vereinfachung
des Verfahrens dient.
3 Die Regierung regelt durch Verordnung das Verfahren für kantonale Nutzungspläne.
4 Für kantonale Nutzungsplanungen gemäss Spezialgesetzgebung richtet sich das
Verfahren nach der betreffenden Spezialgesetzgebung. Festlegungen in kommunalen
Nutzungsplänen über Gegenstände, die kantonalen Nutzungsplanungen gemäss
Spezialgesetzgebung vorbehalten sind, gelten lediglich als Hinweise.
Art. 16
Kantonale Planungszonen
1 Wird eine kantonale Nutzungsplanung nach diesem Gesetz in die Wege geleitet,
kann das Departement nach Anhören der Gemeinde für die davon betroffenen Gebiete mit den gleichen Wirkungen, wie sie für Planungszonen der Gemeinden gelten,
eine Planungszone erlassen.
2 Die Planungszone kann für die Dauer von zwei Jahren erlassen und angemessen
verlängert werden.
3 Das Departement gibt den Erlass und Verlängerungen der Planungszone im amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde und im Kantonsamtsblatt bekannt. Die Planungszone tritt mit der Bekanntgabe in Kraft.
3. Regionalplanung
Art. 17
Aufgaben
1 Regionale Planungsaufgaben werden von den Regionen erfüllt. Bei Aufgaben, die
über das Regionsgebiet hinausgehen, streben die Regionen eine gemeinsame Aufgabenerfüllung an. *
2 Die Regionen sorgen für die nachhaltige räumliche Entwicklung in ihrem Gebiet.
Sie erfüllen insbesondere Aufgaben, die ihnen aufgrund der Raumplanungsgesetzgebung und des kantonalen Richtplans zufallen oder die sich aus der Regional- und
Agglomerationspolitik oder weiteren raumwirksamen Politikbereichen ergeben. Sie
Art. 18 tragen zur stufengerechten Umsetzung des kantonalen Richtplans bei. *
Regionaler Richtplan
1 Die Regionen erlassen die zur Umsetzung des kantonalen Richtplans erforderlichen
sowie die in der Gesetzgebung vorgeschriebenen regionalen Richtpläne. Sie können
weitere regionale Richtpläne erlassen. *
2 Zuständig für Beschlüsse über Erlass und Änderungen von regionalen Richtplänen
ist die Präsidentenkonferenz (Regionalversammlung). Fortschreibungen sind in der
Regel ebenfalls Sache der Präsidentenkonferenz. *
3 Erlass und Änderungen von regionalen Richtplänen bedürfen der Genehmigung
durch die Regierung und werden mit der Genehmigung für die Behörden des
Kantons, der Region und der beteiligten Gemeinden verbindlich. Fortschreibungen
genehmigt in der Regel das Departement.
4 Können Richtpläne oder Teile davon voraussichtlich nicht genehmigt werden, kann
die Region beim Departement eine Einigungsverhandlung verlangen. Kommt keine
Einigung zustande, entscheidet die Regierung. *
5 Die Regierung regelt durch Verordnung weitere Einzelheiten des Verfahrens. Die
Regionen erlassen ergänzende Vorschriften. *
4. Ortsplanung
4.1. ALLGEMEINES
4.1.1. Boden- und Baulandpolitik *
Art. 19
Aktive Boden- und Baulandpolitik *
1 Die Gemeinden fördern die Verwirklichung ihrer Planungen durch eine den örtlichen Verhältnissen angepasste aktive Boden- und Baulandpolitik.
2 … *
3 … *
4.1.2. Baulandmobilisierung *
Art. 19a * Massnahmen im Allgemeinen
1 Die Gemeinden schaffen die nötigen Rahmenvoraussetzungen, damit Bauzonen
zeitgerecht ihrer Bestimmung zugeführt werden können.
2 Dazu gehören insbesondere:
1. Folgeplanungen (Art. 46 und Art. 51 ff.);
2. die Erschliessung (Art. 58 ff.);
3. die Landumlegung (Art. 65 ff.);
4. der Erlass von Vorschriften zur vorübergehenden Nutzung fremden Bodens
für die Baustellenzufahrt, die Lagerung von Material und Maschinen, die Einlassung von Erdankern oder für vergleichbare Zwecke.
3 Die rechtliche Sicherstellung der Verfügbarkeit von Bauzonen im Sinn des Bundesrechts erfolgt nach Massgabe der Artikel 19b bis Artikel 19h.
Art. 19b * Vertragliche Sicherstellung der Verfügbarkeit von Bauzonen
1 Die Gemeinden können mit Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümern vereinbaren, dass der Bauzone zugewiesene Grundstücke innert einer bestimmten Frist
von maximal zehn Jahren überbaut werden und dass der Gemeinde für den Fall der
Nichtbeachtung ein Kaufrecht eingeräumt wird.
Art. 19c * Gesetzliche Sicherstellung der Verfügbarkeit bei Einzonungen
1. Bauverpflichtung
1 Wenn vertraglich nichts anderes vereinbart ist, sind Grundstücke, die nach dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 25. Oktober 2018 neu einer Bauzone zugewiesen werden, innert einer Frist von acht Jahren seit Rechtskraft der Einzonung zu
überbauen.
2 Die Gemeinden können diese Frist im Rahmen der Grundordnung verkürzen oder
bis auf maximal zehn Jahre verlängern.
3 Die Überbauungspflicht gilt als erfüllt, wenn das maximal zulässige Mass der Nutzung innert Frist zu mindestens 80 Prozent ausgeschöpft ist. Bei Überbauungen mit
Industrie-, Gewerbe- oder Dienstleistungsbetrieben kann der Gemeindevorstand die
Bauverpflichtung während längstens zehn Jahren bereits bei einem Überbauungsgrad von wenigstens 50 Prozent als erfüllt betrachten, wenn triftige Gründe für die
Unternutzung vorliegen.
4 Massgebend für die Einhaltung der Frist der Bauverpflichtung ist der Baubeginn.
Die Fristen stehen still, solange sich der Baubeginn wegen Rechtsmittelverfahren
oder aus sonstigen Gründen verzögert, welche der oder die Baupflichtige nicht zu
verantworten hat.
Art. 19d * 2. Kaufrecht der Gemeinde
1 Kommen Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümer der Bauverpflichtung
nicht fristgemäss nach, kann die Gemeinde für die entsprechenden Grundstücke mittels Verfügung ein Kaufrecht zum Verkehrswert gemäss amtlicher Bewertung ausüben.
2 Es müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
1. es liegt eine ausgewiesene Nachfrage nach Baugrundstücken vor;
2. eine Nachfrist von maximal zwei Jahren ist ungenutzt abgelaufen;
3. es besteht ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Übernahme des
Grundstücks;
4. die Auswahl der zu übernehmenden Grundstücke erfolgt nach den Zielen und
Grundsätzen der Raumplanung.
3 Die Gemeinde sorgt dafür, dass übernommene Grundstücke so schnell wie möglich
der Überbauung zugeführt werden. Die Bestimmungen über das Rückforderungsrecht in der kantonalen Enteignungsgesetzgebung gelten sinngemäss.
4 Über die Ausübung des Kaufrechts und die Weiterveräusserung übernommener
Grundstücke entscheidet der Gemeindevorstand in eigener Kompetenz. Weiterveräusserungen haben zum Selbstkostenpreis der Gemeinde zu erfolgen.
5 Die Gemeinden können ergänzende Bestimmungen erlassen.
Art. 19e * 3. Entlassung aus der Bauzone
1 Der Gemeindevorstand kann bei Nichterfüllung der Bauverpflichtung die Entlassung des Grundstücks aus der Bauzone verfügen, sofern dies planerisch gerechtfertigt ist.
2 Die Entlassung erfolgt entschädigungslos. Vorbehalten bleiben allfällige Entschädigungen gemäss Artikel 19t und Artikel 19u.
Art. 19f * 4. Weitere Massnahmen
1 Die Gemeinden können im Baugesetz weitere Massnahmen für den Fall der Nichterfüllung von Bauverpflichtungen einführen, wie Lenkungs- oder Ersatzabgaben,
Erhöhung der Mehrwertabgabesätze und dergleichen.
Art. 19g * Gesetzliche Sicherstellung der Verfügbarkeit bei bestehenden Bauzonen
1 Die Gemeinden können im Verfahren für die Grundordnung Bauverpflichtungen
auch für bereits bestehende Bauzonen anordnen, sofern das öffentliche Interesse dies
rechtfertigt, so insbesondere:
1. für unüberbaute oder unternutzte Grundstücke beziehungsweise Grundstücksteile;
2. zur Mobilisierung von Nutzungsreserven in bestehenden Bauten oder auf
brachliegenden Arealen.
2 Die Überbauungsfrist darf maximal acht Jahre seit deren rechtskräftiger Anordnung betragen.
3 Die Überbauungspflicht gilt als erfüllt, wenn das maximal zulässige Mass der Nutzung innert Frist zu mindestens 50 Prozent ausgeschöpft ist.
4 Für die Fristeinhaltung gilt Artikel 19c Absatz 4.
5 Wird die Bauverpflichtung nicht erfüllt, gelten sinngemäss die Artikel 19d bis Artikel 19f.
Art. 19h * Befristete Einzonung
1 Die Gemeinde kann Einzonungen, Umzonungen oder Aufzonungen zwecks Realisierung konkreter Projekte an die Bedingung knüpfen, dass mit den Bauarbeiten innert einer von ihr bestimmten angemessenen Frist seit Rechtskraft der Planung begonnen und der Bau innert einer von ihr bestimmten angemessenen Frist vollendet
wird.
2 Der Gemeindevorstand kann die Fristen im Einzelfall um maximal die Hälfte der
ursprünglichen Fristen verlängern. Die Fristen stehen still, solange sich der Baubeginn oder die Bauvollendung aus Gründen verzögert, welche der oder die Baupflichtige nicht zu verantworten hat.
3 Werden die Fristen nicht eingehalten, fallen die Einzonung, die Umzonung oder
die Aufzonung sowie sämtliche damit verbundenen weiteren nutzungsplanerischen
Festlegungen von Gesetzes wegen entschädigungslos und ohne Nutzungsplanverfahren dahin. Vorbehalten bleiben allfällige Entschädigungen gemäss Artikel 19t und
Artikel 19u. Bei Differenzen über die Fristeinhaltung erlässt der Gemeindevorstand
gegenüber den Betroffenen eine Verfügung.
4 Die Gemeinde kann bei Planungen nach Absatz 1 finanzielle Nachweise und Sicherheiten verlangen, insbesondere zur Sicherstellung der Kosten für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands.
4.1.3. Ausgleich planungsbedingter Vor- und Nachteile *
Art. 19i * Mehrwertabgabe
1. Abgabepflicht
1 Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümer, deren Grundstücke als Folge einer
Planungsmassnahme nach Artikel 19j einen Mehrwert erlangen, haben eine Mehrwertabgabe zu entrichten.
2 Die Abgabehoheit liegt bei den Gemeinden.
3 Abgabepflichtig sind die Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümer zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Planungsmassnahme. Mehrere Grundeigentümerinnen
oder Grundeigentümer haften solidarisch.
4 Bei Grundstücken, die beim Inkrafttreten der Planung mit Baurechten belastet sind,
ist abgabepflichtig:
1. die Baurechtsnehmerin oder der Baurechtsnehmer, wenn sie oder er das
Grundstück überbaut oder das Baurecht veräussert;
2. die Grundeigentümerin oder der Grundeigentümer, wenn sie oder er das
Grundstück veräussert.
5 Keine Abgabe wird erhoben bei Planungsmassnahmen, deren Zweck unmittelbar in
der Erfüllung einer öffentlich-rechtlichen Aufgabe besteht.
6 Mehrwerte von weniger als 20 000 Franken pro Grundstück sind von der Abgabepflicht ausgenommen. Werden im Zuge des Planungsprozesses Grundstücksteilungen vorgenommen, bezieht sich die Freigrenze auf das Stammgrundstück.
Art. 19j * 2. Abgabetatbestände
1 Der Abgabe unterliegen Mehrwerte aus der Zuweisung von Grundstücken von einer Nichtbauzone zu einer Bauzone nach diesem Gesetz (Einzonung).
2 Die Gemeinden können im Baugesetz zusätzliche Abgabetatbestände vorsehen und
für diese die Freigrenze nach Artikel 19i Absatz 6 erhöhen oder senken.
3 Sofern die Gemeinden im Baugesetz die Zuweisung von Land in eine Materialabbau-, Materialablagerungs- oder Deponiezone als zusätzlichen Abgabetatbestand
vorsehen, können sie mit den Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümern vertraglich angemessene Geld- oder Sachleistungen vereinbaren.
Art. 19k * 3. Entstehung und Bemessung, Kosten des Gutachtens
1 Massgebend für die Entstehung der Abgabe und für die Bemessung des Mehrwerts
ist der Zeitpunkt des Inkrafttretens der Planungsmassnahme.
2 Der Mehrwert entspricht der Differenz zwischen dem Verkehrswert des Grundstücks ohne und mit Planungsmassnahme. Er ist nach anerkannten Methoden zu bestimmen. Die Veranlagungsbehörde holt zu diesem Zweck beim Amt für Immobilienbewertung ein Bewertungsgutachten ein.
3 Die Kosten des Gutachtens gehen zu Lasten der Gemeinde.
Art. 19l * 4. Höhe der Abgabe
1 Die Höhe der Mehrwertabgabe bei Einzonungen beträgt 30 Prozent des Mehrwerts.
2 Die Gemeinden können im Baugesetz den Abgabesatz gemäss Absatz 1 bis auf
maximal 50 Prozent erhöhen.
3 Die Gemeinden können im Baugesetz den Abgabesatz gemäss Absatz 1 im Hinblick auf Einzonungen für Nutzungen, für die ein besonderes öffentliches Interesse
besteht, bis auf 20 Prozent senken.
4 Die Gemeinden legen für zusätzliche Abgabetatbestände den Abgabesatz fest.
Art. 19m * 5. Veranlagung der Abgabe, Teuerung
1 Der Gemeindevorstand veranlagt die Mehrwertabgabe gegenüber den Abgabepflichtigen unmittelbar nach Rechtskraft der Planungsmassnahme, wobei er die
Betroffenen vorgängig anhört. Dem Kanton steht das Beschwerderecht zu.
2 Die Genehmigung der Planungsmassnahme erfolgt unter der Bedingung, dass die
Abgabe veranlagt wird.
3 Die Abgabe wird bis zur Fälligkeit der Teuerung angepasst. Diese wird nach dem
Landesindex der Konsumentenpreise bestimmt.
4 Bei Vereinbarungen nach Artikel 19j Absatz 3 sowie bei Vereinbarungen im Zusammenhang mit Planungen, die von den Gemeinden vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 25. Oktober 2018 beschlossen worden sind, erfolgen die Veranlagung und der Bezug der Abgabe nach Massgabe der Vereinbarung.
Art. 19n * 6. Fälligkeit der Abgabe
1 Die Abgabe wird bei der Überbauung oder Veräusserung des Grundstücks fällig.
2 Bei der Überbauung tritt die Fälligkeit mit der Rechtskraft der Baubewilligung ein.
3 Für die Veräusserung gilt sinngemäss Artikel 42 des Steuergesetzes4). Als Veräusserung gilt insbesondere auch die Einräumung eines Baurechts. Keine Veräusserung
stellen Eigentumswechsel durch Erbgang (Erbfolge, Erbteilung, Vermächtnis), Erbvorbezug, güterrechtliche Auseinandersetzung oder Schenkung dar. Diesfalls geht
die Abgabepflicht auf die Rechtsnachfolgenden über, welche für die Mehrwertabgabe bis zum Wert des empfangenen Grundstücksteils solidarisch haften.
4 Bei Veräusserung eines Teils des Grundstücks wird die Abgabe anteilsmässig fällig. Bei Überbauung eines Teils des Grundstücks wird die Abgabe für das ganze
Grundstück fällig. Bei etappierten Bauvorhaben wird die Abgabe im Verhältnis zum
Wertanteil der freigegebenen Etappen fällig.
Art. 19o * 7. Bezug der fälligen Abgabe
1 Der Gemeindevorstand stellt den Abgabepflichtigen die Abgabe unmittelbar nach
Eintritt der Fälligkeit in Rechnung. Er erlässt bei Unklarheiten über die Fälligkeit
nach Anhören von Betroffenen eine Verfügung.
4) BR 720.000
2 Die Abgabe ist der Gemeinde innert 60 Tagen seit Rechnungsstellung oder
Rechtskraft der Verfügung zu bezahlen.
Art. 19p * 8. Zuweisung der Erträge aus der Abgabe
1 Zur Bewirtschaftung der Mehrwertabgabe führen der Kanton und die Gemeinden
je eine Spezialfinanzierung gemäss den Bestimmungen der kantonalen Finanzhaushaltsgesetzgebung.
2 Die Erträge der Mehrwertabgabe aus Einzonungen, berechnet auf der Basis des
kantonalen Mindestabgabesatzes gemäss Artikel 19l Absatz 1, gehen zu 75 Prozent
in die kantonale Spezialfinanzierung Mehrwertausgleich (kantonaler Fonds) und zu
25 Prozent in die kommunale Spezialfinanzierung Mehrwertausgleich (kommunaler
Fonds). Alle weiteren Erträge fliessen vollumfänglich in den kommunalen Fonds.
3 Die Ertragszuweisung in den kantonalen Fonds dauert so lange, bis dessen Verwendungszweck gemäss Artikel 19q Absatz 1 erfüllt und eine allfällige Fondsschuld
abgetragen ist. Danach fliessen alle Erträge ausschliesslich in den jeweiligen kommunalen Fonds.
4 Die Fachstelle stellt der Gemeinde den Kantonsanteil unmittelbar nach Eintritt der
Fälligkeit der Mehrwertabgabe in Rechnung.
5 Fondssaldi sind marktkonform zu verzinsen.
Art. 19q * 9. Verwendungszweck des kantonalen Fonds
1 Die Mittel im kantonalen Fonds werden ausschliesslich zur Finanzierung von Auszonungskosten der Gemeinden verwendet, abzüglich allfälliger gegenwärtiger oder
zukünftiger Mehrwertabgabeerträge, welche nach Massgabe von Artikel 19p Absatz 2 in den kommunalen Fonds fliessen.
2 Die Auszonungskosten müssen Auszonungsplanungen betreffen, deren Hauptzweck in der Reduktion überdimensionierter Bauzonen besteht.
3 Zu den Auszonungskosten gehören:
1. Zahlungen der Gemeinden aufgrund der Artikel 19s bis Artikel 19t;
2. Zahlungen der Gemeinden aufgrund allfälliger Vergleiche, die sie mit Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümern und mit Genehmigung des Departements im Zusammenhang mit der Geltendmachung von Entschädigungsforderungen wegen materieller Enteignung nach Artikel 98 abgeschlossen haben;
3. Anwalts- und Verfahrenskosten, soweit diese den Gemeinden in Verbindung
mit der Abwehr unberechtigter Entschädigungs- und Vergütungsforderungen
anfallen.
4 Soweit sich im kantonalen Fonds vorübergehend zu wenig Mittel befinden, um seinen Verwendungszweck zu erfüllen, werden aus allgemeinen kantonalen Staatsmitteln Vorschüsse bis zu einer Fondsschuld von maximal 80 Millionen Franken geleistet.
5 Der Fonds wird mit Beschluss der Regierung aufgelöst, sobald sein Verwendungszweck gemäss Artikel 19q Absatz 1 erfüllt und eine allfällige Fondsschuld abgetragen ist. Ein allfälliges Fondsvermögen wird anteilsmässig auf diejenigen Gemeinden
verteilt, welche Mehrwertabgabeerträge in den kantonalen Fonds überwiesen haben.
Art. 19r * 10. Verwendungszwecke des kommunalen Fonds
1 Die Mittel im kommunalen Fonds sind zu verwenden:
1. in erster Linie für Auszonungskosten gemäss Artikel 19q Absatz 3 und Artikel 19u;
2. in zweiter Linie für die Verwaltungskosten im Zusammenhang mit der Veranlagung und dem Bezug der Mehrwertabgabe;
3. in dritter Linie für Massnahmen der Raumplanung nach Artikel 3 des Bundesgesetzes über die Raumplanung5).
2 Die Gemeinden können im Baugesetz weitere Verwendungszwecke vorsehen, wobei sie sicherstellen müssen, dass die Zwecke nach Absatz 1 dadurch nicht gefährdet
werden.
Art. 19s * Entschädigung von Planungsnachteilen
1. Materielle Enteignung
1 Planungsnachteile werden nur entschädigt, wenn sie eine materielle Enteignung
nach Artikel 98 darstellen.
2 Sofern es sich um Planungsnachteile wegen Auszonungsplanungen handelt, deren
Hauptzweck in der Reduktion überdimensionierter Bauzonen besteht, verjähren Entschädigungsansprüche innert zwei Jahren seit Rechtskraft der Planung.
Art. 19t * 2. Vergütung von Erschliessungsaufwendungen
1 Bei Auszonungen, deren Hauptzweck in der Reduktion überdimensionierter Bauzonen besteht, haben die Betroffenen gegenüber der Gemeinde einen Anspruch auf
Vergütung nachgewiesener Auslagen im Zusammenhang mit Erschliessungen nach
Artikel 60 ff., soweit die Erschliessung innerhalb der letzten 15 Jahre vor dem Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 25. Oktober 2018 realisiert worden ist.
2 Die Vergütung wird auf Gesuch hin durch den Gemeindevorstand mittels Verfügung festgesetzt.
3 Vergütungsansprüche bestehen nur, wenn die Auszonung keine materielle Enteignung darstellt. Sie verjähren innert zwei Jahren seit Rechtskraft der Planung.
Art. 19u * 3. Rückerstattung geleisteter Mehrwertzahlungen
1 Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümer haben gegenüber der Gemeinde Anspruch auf Rückerstattung geleisteter Mehrwertzahlungen, sofern die Planungsmassnahme wieder rückgängig gemacht wird.
5) SR 700
2 Rückerstattungsansprüche verjähren innert zwei Jahren seit Rechtskraft der Planung.
4.1.4. Finanzierungsansprüche der Gemeinden *
Art. 19v * Bedingungen, Modalitäten, Zuständigkeit
1 Will eine Gemeinde gegenüber dem kantonalen Fonds Auszonungskosten im Sinn
von Artikel 19q geltend machen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
1. die Gemeinde hat der Fachstelle ein entsprechendes Gesuch einzureichen;
2. die Auszonungskosten müssen Planungen betreffen, die von den Gemeinden
bis am 31. Dezember 2035 der Regierung zur Genehmigung eingereicht worden sind. Die Regierung kann diese Frist aus triftigen Gründen um maximal
zwei Jahre verlängern. Bei Planungen, die nach dem 31. Dezember 2035 beziehungsweise einer verlängerten Frist eingereicht werden, reduziert sich der
Finanzierungsanspruch der Gemeinde jährlich um 20 Prozent;
3. sofern das Gesuch eine Entschädigungspflicht wegen materieller Enteignung
betrifft, müssen der rechtskräftige Entscheid der zuständigen Enteignungskommission oder ein allfälliger vom Departement genehmigter Vergleich zwischen der Gemeinde und Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümern über
die Entschädigung wegen materieller Enteignung vorliegen;
4. sofern das Gesuch eine Vergütung nachgewiesener Erschliessungsauslagen
betrifft, muss eine rechtskräftige Vergütungsverfügung des Gemeindevorstands vorliegen.
2 Gesuche sind innert 60 Tagen seit Vorliegen des rechtskräftigen Entscheids der
Enteignungskommission oder der Genehmigung eines Vergleichs beziehungsweise
seit Vorliegen der rechtskräftigen Vergütungsverfügung des Gemeindevorstands einzureichen.
3 Sofern Finanzierungsgesuche von Gemeinden vorübergehend nicht befriedigt werden können, wird ihnen später der noch offene Betrag nachgezahlt.
4 Die Fachstelle ist zuständig für Auszahlungen.
5 Zahlungen aus dem kantonalen Fonds werden nach Anhören der Gemeinde verweigert, gekürzt oder zurückgefordert, wenn die Gemeinde Auszonungskosten durch
eigenes Fehlverhalten mitverursacht hat. Bei Differenzen entscheidet das Departement.
4.1.5. Gemeinsame Bestimmung *
Art. 19w * Zuständige kommunale Behörde, Anmerkungen und Eintrag im
Grundbuch
1 Das Gemeinderecht kann anstelle des Gemeindevorstands andere Behörden mit
Artikel 19 bis dem Vollzug der
Artikel 19v betrauen.
2 Der Gemeindevorstand weist das Grundbuchamt an, folgende Tatbestände im
Grundbuch anzumerken:
1. vertragliche Bauverpflichtungen und Kaufrechte gemäss Artikel 19b, unmittelbar nach Vertragsabschluss;
2. gesetzliche Bauverpflichtungen gemäss Artikel 19c, unmittelbar nach
Rechtskraft der Einzonung;
3. Nachfristen gemäss Artikel 19d Absatz 2 Ziffer 2;
4. gesetzliche Bauverpflichtungen gemäss Artikel 19g, unmittelbar nach
Rechtskraft der Bauverpflichtung;
5. die Überbauungsfrist bei der befristeten Einzonung gemäss Artikel 19h, unmittelbar nach Rechtskraft der Planung;
6. die Mehrwertabgabepflicht samt Abgabehöhe gemäss Artikel 19m, unmittelbar nach Rechtskraft der Veranlagungsverfügung.
3 Der Gemeindevorstand weist das Grundbuchamt unmittelbar nach Rechtskraft der
Veranlagungsverfügung zudem an, das gesetzliche Pfandrecht gemäss Artikel 131 Absatz 1 Ziffer 3 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch6) in das Grundbuch einzutragen.
4.2. KOMMUNALE RICHTPLANUNG
Art. 20
Kommunale Richtpläne, Leitbilder
1 Die Gemeinden können kommunale Richtpläne erlassen. Diese legen die von ihnen
angestrebte räumliche Entwicklung bezüglich Nutzung, Gestaltung, Erschliessung
und Ausstattung fest. Sie zeigen auf, wie die raumwirksamen Tätigkeiten der
Gemeinde mit jenen der Nachbargemeinden, der Region und des Kantons koordiniert werden. *
2 Die Gemeinden regeln Zuständigkeit und Verfahren für den Erlass von kommunalen Richtplänen. Sie führen eine Mitwirkungsauflage durch.
3 Kommunale Richtpläne werden der Regierung zur Kenntnis gebracht und sind für
die mit Planungsaufgaben betrauten Organe der Gemeinde verbindlich. Sie sind öffentlich und können von jedermann eingesehen werden.
4 Die anzustrebende räumliche Entwicklung kann auch in Leitbildern und dergleichen festgehalten werden.
6) BR 210.100
4.3. KOMMUNALE NUTZUNGSPLANUNG
4.3.1. Vorsorgliche Massnahmen
Art. 21
Kommunale Planungszonen
1 Wird der Erlass oder die Änderung der Grundordnung oder eines Quartierplans in
die Wege geleitet, kann der Gemeindevorstand für die davon betroffenen Gebiete eine Planungszone erlassen.
2 In der Planungszone darf nichts unternommen werden, was die neue Planung
erschweren oder dieser entgegenstehen könnte. Insbesondere dürfen Bauvorhaben
nur bewilligt werden, wenn sie weder den rechtskräftigen noch den vorgesehenen
neuen Planungen und Vorschriften widersprechen.
3 Die Planungszone kann für die Dauer von zwei Jahren erlassen und mit Zustimmung des Departements angemessen verlängert werden.
4 Die Gemeinde gibt den Erlass und Verlängerungen der Planungszone im amtlichen
Publikationsorgan der Gemeinde und im Kantonsamtsblatt bekannt. Die Planungszone tritt mit der Bekanntgabe in Kraft.
4.3.2. Grundordnung
4.3.2.1. Allgemeines
Art. 22
Grundordnung
1 Die Gemeinden erlassen die Grundordnung. Diese bestimmt die Nutzung sowie die
Grundzüge der Gestaltung und Erschliessung des Gemeindegebietes. Sie ist für jedermann verbindlich.
2 Die Grundordnung besteht aus dem Baugesetz, dem Zonenplan, dem Generellen
Gestaltungsplan und dem Generellen Erschliessungsplan. Für Teilgebiete kann ein
Arealplan erlassen werden. Anstelle eines Generellen Gestaltungsplans können die
Gemeinden im Baugesetz Gestaltungsvorschriften erlassen.
3 Die Grundordnung berücksichtigt die Vorgaben und Vorschriften des übergeordneten Rechts. Die Gemeinden können im Rahmen ihrer Zuständigkeit strengere Bestimmungen aufstellen, soweit es die örtlichen Verhältnisse erfordern und die übergeordnete Regelung dem nicht entgegensteht.
4 Die Kosten für die Erarbeitung und den Erlass der Grundordnung tragen in der Regel die Gemeinden. Bei projektbezogenen Planungen können die Gemeinden die
Planungskosten ganz oder teilweise jenen Personen überbinden, die in besonderem
Mass aus der Planung Vorteile ziehen.
Art. 22a * Vorschriften über Zweitwohnungen
1 Die von der Bundesgesetzgebung über Zweitwohnungen dem Kanton eingeräumte
Kompetenz zum Erlass von Vorschriften, welche die Erstellung, Änderung oder
Nutzung von Wohnungen stärker einschränken als die Bundesgesetzgebung, wird
den Gemeinden übertragen, soweit der Kanton nicht selbst legiferiert.
Art. 23
Ersatzordnung
1 Genügt die Grundordnung einer Gemeinde den Anforderungen des übergeordneten
Rechts nicht, fordert die Regierung die Gemeinde auf, die Mängel innert angemessener Frist zu beheben.
2 Kommt die Gemeinde dieser Aufforderung nicht nach, erlässt die Regierung an
Stelle und auf Kosten der Gemeinde eine geeignete Ersatzordnung. Für das Verfahren gelten sinngemäss die Vorschriften für den Erlass von kantonalen Nutzungsplänen. Das Departement kann für die betroffenen Gebiete eine kantonale Planungszone erlassen.
3 Erlässt die Gemeinde später eine den gesetzlichen Anforderungen genügende
Grundordnung, fällt die Ersatzordnung mit der Genehmigung der geänderten Grundordnung dahin.
4.3.2.2. Baugesetz
Art. 24
Baugesetz
1. Allgemeines
1 Das Baugesetz enthält mindestens die Bauvorschriften, die Zonenvorschriften sowie weitere nach kantonalem Recht erforderliche Bestimmungen.
2 Die Bauvorschriften regeln entsprechend den örtlichen Bedürfnissen insbesondere:
1. die Anforderungen an Bauten und Anlagen hinsichtlich Ausführung, Betrieb
und Unterhalt;
2. die Gestaltung und Erhaltung von Bauten und Anlagen sowie von Aussenräumen;
3. die Errichtung von Gemeinschaftsanlagen wie Spielplätze, Grünanlagen, Parkierungsanlagen, Gemeinschaftsantennen, Energieversorgungsanlagen;
4. die Bereitstellung von Abstellplätzen für Motorfahrzeuge und Fahrräder;
5. die Benützung des öffentlichen Grundes und Luftraumes durch Private sowie
die Beanspruchung von privaten Grundstücken für öffentliche Zwecke;
6. die Anforderungen an Verkehrs-, Versorgungs- und Entsorgungsanlagen;
7. die Anforderungen an besondere Bauvorhaben.
3 Die Zonenvorschriften bestimmen den Zonenzweck, die zulässige Art der Nutzung
und für die Bauzonen zusätzlich die Regelbauweise.
Art. 25
2. Regelbauweise
1 Die Regelbauweise umfasst wenigstens das Mass der Nutzung, die Bauweise (geschlossene, offene Bauweise) sowie die Grenz- und Gebäudeabstände.
2 Das Mass der Nutzung wird durch Gebäudeabmessungen und Nutzungsziffern bestimmt. Für Gebiete, in denen als Folgeplanung eine Arealplanung durchgeführt
wird, können für Gebäudeabmessungen und Nutzungsziffern Richtwerte oder Rahmen festgelegt werden.
3 Auf Nutzungsziffern kann verzichtet werden, wenn das Mass der Nutzung in der
Grundordnung durch Gebäudeabmessungen beziehungsweise andere planerische
Massnahmen hinreichend bestimmt ist.
4 Die Gemeinden können vorsehen, dass im Rahmen von Quartierplänen und Arealplänen von der Regelbauweise abgewichen werden darf. Voraussetzungen und Umfang der Abweichungen sind im Baugesetz festzulegen. *
5 Die Regierung erlässt durch Verordnung Vorschriften über Begriffe und Messweisen der Regelbauweise.
4.3.2.3. Zonenplan
Art. 26
Zonenplan
1 Der Zonenplan unterteilt das Gemeindegebiet in verschiedene Nutzungszonen. Die
Zonen der Grundnutzung bestimmen allgemein die zulässige Nutzung des Bodens.
Die Zonen überlagerter Nutzung enthalten ergänzende Nutzungsvorschriften.
2 Die Gemeinden scheiden entsprechend den örtlichen Bedürfnissen die Bauzonen,
die Landwirtschaftszonen, die Schutzzonen sowie die weiteren Zonen aus.
3 In den in diesem Gesetz umschriebenen Zonen gelten ausschliesslich die kantonalen Vorschriften, soweit die Gemeinden nicht ausdrücklich ermächtigt oder verpflichtet werden, abweichende oder ergänzende Bestimmungen zu erlassen. Scheiden die Gemeinden Bau-, Schutz- oder weitere Zonen aus, die nicht in diesem Gesetz umschrieben sind, erlassen sie die erforderlichen Zonenvorschriften selbst.
4 Im Zonenplan können Gebiete bezeichnet werden, in denen eine Folgeplanung
(Arealplanung, Quartierplanung) durchgeführt wird. Die Festlegung einer Folgeplanung hat für das betroffene Gebiet die Wirkung einer Planungszone. Die Folgeplanung wird von Amtes wegen oder auf Antrag von Betroffenen eingeleitet.
Art. 27
Bauzonen
1. Allgemeines
1 Bauzonen können unterteilt werden in Kernzonen, Zentrumszonen, Dorfzonen,
Wohnzonen, Zonen für Produktions- und Dienstleistungsbetriebe, Mischzonen für
Wohnen und Arbeiten, Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen, Zonen für touristische Einrichtungen, Zonen für Grünflächen, Zonen für Sport- und Freizeitanlagen,
Hotelzonen, Erhaltungszonen. Die Gemeinden können weitere Arten von Bauzonen
festlegen.
2 Erschliessungsflächen innerhalb oder am Rand der Bauzonen gelten als Bauzonen.
3 Bei Mischzonen können für die verschiedenen Nutzungen Nutzungsanteile festgelegt werden. In allen Bauzonen können ferner Flächen oder Flächenanteile für öffentliche oder öffentlichen Interessen dienende Nutzungen festgelegt werden.
4 … *
Art. 28
2. Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen
1 Zonen für öffentliche Bauten und Anlagen sind für öffentliche oder öffentlichen Interessen dienende Bauten und Anlagen bestimmt. Untergeordnete private Nutzungen
sind zulässig, wenn sie mit zonenkonformen Bauten baulich verbunden sind.
2 Bestehende Bauten und Anlagen, die dem Zonenzweck widersprechen, dürfen nur
unterhalten werden.
3 Die Zone kann unterteilt werden in Zone für öffentliche Bauten und Zone für öffentliche Anlagen.
Art. 29
3. Zonen für touristische Einrichtungen
1 Zonen für touristische Einrichtungen sind für touristische Bauten und Anlagen wie
Sport- und Freizeitanlagen, Verpflegungs- und Verkaufsstätten sowie Service-Stationen im Bereich von Tal-, Mittel- und Bergstationen touristischer Transportanlagen bestimmt. Wohnraum für Betriebspersonal ist gestattet.
2 Bei abgelegenen Zonen können die Gemeinden besondere Regelungen über die
Zufahrt erlassen.
Art. 30
4. Zonen für Grünflächen
1 Zonen für Grünflächen dienen der Erhaltung und Schaffung von Freiräumen zur
Strukturierung der Überbauung innerhalb oder am Rand der Bauzonen.
2 Bauten und Anlagen dürfen dem Zonenzweck nicht widersprechen.
Art. 31
5. Erhaltungszonen
1 Erhaltungszonen dienen der Erhaltung von landschaftlich und kulturgeschichtlich
wertvollen Kleinsiedlungen. Bauten und Anlagen sind in ihrem ursprünglichen Charakter und in ihrer Substanz zu erhalten. Die Umgebung ist im landschaftstypischen
Zustand zu belassen. Neubauten sind nicht zulässig. Alle Bauvorhaben unterliegen
der Gestaltungsberatung. Verbesserungen gestalterischer Art sind zulässig.
2 Gebäude, die im Zeitpunkt der Baueingabe noch bestimmungsgemäss nutzbar und
im Zonenplan oder im Generellen Gestaltungsplan weder als integral geschützt noch
als landwirtschaftlich notwendig bezeichnet sind, dürfen innerhalb des bestehenden
Volumens umgebaut und in ihrer Nutzung geändert werden. Die bauliche Grundstruktur, die äussere Erscheinung sowie der ursprüngliche Charakter des Gebäudes
sind in den wesentlichen Zügen zu wahren. Störende frühere Eingriffe sind zu beseitigen. Untergeordnete Anbauten können im Interesse der Erhaltung historischer Bausubstanz bewilligt werden.
3 Der Wiederaufbau nach Zerstörung ist gestattet. Die Gemeinden können im Baugesetz auch den Wiederaufbau nach Abbruch für zulässig erklären. Baubewilligungen
für Wiederaufbauten dürfen nur erteilt werden, wenn:
1. die bisherige Baute noch bestimmungsgemäss nutzbar war;
2. die Ersatzbaute in Bezug auf Lage, Grösse, Form, Stellung, Gestaltung, Konstruktion und Material der ursprünglichen Baute im Wesentlichen entspricht;
3. das Gesuch für den Wiederaufbau innerhalb von drei Jahren nach der Zerstörung oder zusammen mit dem Abbruchgesuch eingereicht wird.
4 Verkehrs-, Versorgungs- und Entsorgungsanlagen sowie Solaranlagen mit einer
Absorberfläche von mehr als 1 m2 sind nur nach den Vorgaben des Generellen
Erschliessungsplans und des Generellen Gestaltungsplans gestattet. Erschliessungskosten sind vollumfänglich von den Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern
zu tragen. Wassereinleitungen in Gebäude und Wassertanks sind nur zulässig, wenn
eine gesetzeskonforme Abwasserbehandlung gewährleistet ist.
5 Der Generelle Gestaltungsplan kann entsprechend den örtlichen Verhältnissen ergänzende Bestimmungen enthalten.
Art. 32
Landwirtschaftszonen
1 Die Gemeinden scheiden nach den Vorgaben des Bundesrechts die Landwirtschaftszonen aus. Sie tragen dabei den verschiedenen Funktionen der Landwirtschaftszonen angemessen Rechnung.
2 Für die Beurteilung der Zonenkonformität von Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone ist das Bundesrecht massgebend. Vorbehalten bleiben eine engere
Umschreibung der Zonenkonformität im Rahmen von Absatz 1 sowie die von der
Regierung durch Verordnung erlassenen Bestimmungen über den landwirtschaftlichen Wohnraum.
3 Bauten und Anlagen, die über eine innere Aufstockung im Sinne des Bundesrechts
hinausgehen, können in den von den Gemeinden ausgeschiedenen Zonen für bodenunabhängige Produktion als zonenkonform bewilligt werden.
Art. 33
Schutzzonen
1. Naturschutzzonen
1 Naturschutzzonen umfassen naturnahe Lebensräume (Biotope) oder Lebensgemeinschaften und weitere naturnahe Standorte, die sich durch besondere Artenvielfalt oder das Vorkommen seltener Arten auszeichnen, sowie wertvolle geologische
oder erdgeschichtliche Bildungen (Geotope).
2 Neue Bauten und Anlagen sowie Eingriffe wie Entwässerungen oder Bewässerungen und Düngungen sind nicht gestattet. Vorbehalten sind Anlagen, die in einem
Generellen Erschliessungsplan enthalten sind, welcher nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 25. Oktober 2018 rechtskräftig genehmigt worden ist. Bestehende
Bauten und Anlagen dürfen nur erneuert werden. Bauliche Eingriffe zur Renaturierung oder Revitalisierung sowie die angepasste landwirtschaftliche Nutzung im Rahmen der Pflegemassnahmen sind zulässig. Vorbehalten bleiben weitergehende oder
abweichende Anordnungen nach der Natur- und Heimatschutzgesetzgebung sowie
Art. 34 in Bewirtschaftungsverträgen. *
2. Landschaftsschutzzonen
1 Landschaftsschutzzonen umfassen Landschaften von besonderer Schönheit und
Eigenart oder mit ökologischer Funktion.
2 Neue Bauten und Anlagen sind nicht gestattet. Vorbehalten sind Eingriffe zur Revitalisierung oder Aufwertung, unterirdische Leitungen, land- und forstwirtschaftliche Bauten und Anlagen, sofern deren Erstellung an einem Standort ausserhalb der
Landschaftsschutzzone nicht zumutbar ist, Anlagen, die in einem Generellen
Erschliessungsplan oder Nutzungsplan gemäss Spezialgesetzgebung enthalten sind,
welche nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung vom 25. Oktober 2018 rechtskräftig
genehmigt worden sind, sowie Hochgebirgsunterkünfte. *
3 Bestehende Bauten und Anlagen dürfen im Rahmen des Bundesrechts erneuert,
teilweise geändert und massvoll erweitert werden, sofern der Charakter des Gebäudes und der Landschaft erhalten bleibt. Der Wiederaufbau nach Zerstörung, landwirtschaftsfremde Wohnnutzungen in landwirtschaftlichen Wohnbauten sowie die
vollständige Zweckänderung von als schützenswert anerkannten Bauten und Anlagen können im Rahmen des Bundesrechts bewilligt werden. *
4 Die Gemeinden bezeichnen innerhalb der Landschaftsschutzzonen die genauen
Grenzen von Moorlandschaften von besonderer Schönheit und von nationaler Bedeutung. Sie legen bei Bedarf für die Moorlandschaften die konkretisierten Schutzziele sowie die erforderlichen Schutz- und Unterhaltsmassnahmen in einem Reglement fest, welches Bestandteil der Grundordnung bildet. Im Übrigen gelten für die
Art. 35 Moorlandschaften ausschliesslich die Bestimmungen des Bundesrechts. *
3. Freihaltezonen
1 Freihaltezonen umfassen Flächen, die zum Schutz des Orts- und Landschaftsbildes
und von Aussichtslagen sowie zur Gliederung von Siedlungsgebieten freizuhalten
sind.
2 Bauten und Anlagen dürfen dem Zonenzweck nicht widersprechen.
Art. 36
4. Archäologiezonen, Archäologische Schutzzonen
1 Archäologiezonen umfassen Flächen, auf denen mit grosser Wahrscheinlichkeit
archäologische Funde und Befunde zu erwarten sind. Bauabsichten sind der
Gemeinde vor Ausarbeitung der Projektpläne bekannt zu geben. Diese legt unter
Beizug des Archäologischen Dienstes die erforderlichen Auflagen fest.
2 Archäologische Schutzzonen umfassen bekannte archäologische Fundstellen. Es
werden nur Bauten und Anlagen bewilligt, die dem Zonenzweck dienen.
Art. 37
5. Grundwasser- und Quellschutzzonen
1 Grundwasser- und Quellschutzzonen umfassen Gebiete, die für die Sicherstellung
der Trinkwasserversorgung vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen sind.
2 Gebiete innerhalb der Grundwasser- und Quellschutzzone gelten als besonders gefährdete Bereiche nach Gewässerschutzgesetzgebung. Die für die Bewilligung zuständige Behörde unterbreitet Baugesuche der zuständigen Fachbehörde.
3 Land- und forstwirtschaftliche, gartenbauliche und andere Nutzungen müssen so
betrieben werden, dass ein ausreichender Schutz der Gewässer gewährleistet ist.
Art. 37a * 6. Gewässerraumzonen
1 Gewässerraumzonen umfassen den Gewässerraum im Sinn des Bundesrechts.
2 Die Zulässigkeit von neuen Bauten und Anlagen sowie die Bewirtschaftung des
Gewässerraums richten sich nach Bundesrecht, wobei Bauten und Anlagen einen
Abstand von mindestens fünf Metern beidseits des Gewässers einzuhalten haben,
welcher nur in begründeten Ausnahmefällen unterschritten werden kann.
3 Der Bestandesschutz von rechtmässig erstellten Bauten und Anlagen, die den geltenden Vorschriften nicht mehr entsprechen, richtet sich innerhalb der Bauzonen
nach Artikel 81 Absatz 1 und Absatz 2 dieses Gesetzes. Solche Bauten und Anlagen
dürfen unter den gleichen Voraussetzungen zudem abgebrochen und wiederaufgebaut werden, sofern und soweit das Baugesetz der Gemeinde den Abbruch und Wiederaufbau zulässt. Ausserhalb der Bauzone richtet sich der Bestandesschutz nach
Bundesrecht.
4 Innerhalb der Bauzonen ist vor der Erteilung von Baubewilligungen die zuständige
kantonale Fachbehörde anzuhören. Bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen holt
die BAB-Behörde die Zustimmung der zuständigen kantonalen Fachbehörde ein.
Art. 38
Weitere Zonen
1. Gefahrenzonen
1 Gefahrenzonen umfassen Gebiete, die durch Lawinen, Rutschungen, Steinschlag,
Überschwemmung oder andere Naturereignisse bedroht sind. Sie werden nach den
kantonalen Richtlinien in eine Gefahrenzone mit erheblicher Gefährdung (Gefahrenzone 1) und in eine Gefahrenzone mit mittlerer Gefährdung (Gefahrenzone 2) unterteilt. *
2 In der Gefahrenzone 1 dürfen keine neuen Bauten und Anlagen erstellt werden, die
dem Aufenthalt von Menschen und Tieren dienen. Bestehende Bauten und Anlagen,
die dem Aufenthalt von Menschen und Tieren dienen, dürfen nur erneuert werden.
In Bauwerken wie Dämmen und dergleichen, die zum Schutze von Siedlungen errichtet werden, können gestützt auf ein Gesamtkonzept zonenkonforme oder
standortgebundene Nutzungen bewilligt werden.
3 In der Gefahrenzone 2 bedürfen neue Bauten und Anlagen, die dem Aufenthalt von
Menschen und Tieren dienen, besonderer baulicher Schutzmassnahmen. Bei wesentlichen Änderungen an bestehenden Gebäuden sind die erforderlichen Schutzmassnahmen für das ganze Gebäude zu treffen.
4 Bauten und Anlagen, die nicht dem Aufenthalt von Menschen und Tieren dienen,
bedürfen in Gefahrenzonen eines angemessenen Objektschutzes.
5 Baubewilligungen und BAB-Bewilligungen für Bauvorhaben in Gefahrenzonen
werden nur erteilt, wenn eine Genehmigung der Gebäudeversicherung des Kantons
Graubünden vorliegt. Diese erlässt Richtlinien für die baulichen Schutzmassnahmen
und für den angemessenen Objektschutz.
Art. 39
2. Wintersportzonen
1 Wintersportzonen umfassen das für den Wintersport erforderliche Gelände.
2 Bauten und Anlagen, Terrainveränderungen sowie Nutzungen wie Pflanzungen
und Düngungen dürfen die Ausübung des Wintersports nicht beeinträchtigen. Einfriedungen im Bereich von Pisten sind während der üblichen Wintersaison zu entfernen.
3 Standortgebundene Bauten und Anlagen für den Wintersport sind zulässig. Unter
den gleichen Voraussetzungen können Bauten und Anlagen bewilligt werden, die
der sportlichen oder touristischen Nutzung ausserhalb der Wintersaison dienen.
4 Die Gemeinden können ergänzende Bestimmungen erlassen, insbesondere über das
allgemeine Zutrittsrecht, über die Beanspruchung des Bodens für die Beschneiung
und maschinelle Präparierung, über die Abgeltung von Ertragsausfällen und Schäden an Grundstücken sowie über die Aufteilung der daraus entstehenden Kosten auf
die interessierten Unternehmen.