Mütter- und Väterberatung
1 Die Mütter- und Väterberatung als Angebot der frühen Förderung nimmt Kontakt auf zu Eltern und Pflegeeltern von Kindern bis zum vollendeten fünften
Lebensjahr und bietet ihnen dezentrale Beratung und Unterstützung an bei der
Pflege, Ernährung, Gesundheit, Entwicklung und Erziehung.
Art. 42
Elternbildung
1 Elternbildung dient dem Ziel, den Eltern Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln
und Handlungsoptionen zu eröffnen, die sie zur Erfüllung ihrer Erziehungs- und
Sozialisationsaufgaben befähigen.
13 860.2
2 Unterstützt werden insbesondere niederschwellige Leistungsangebote für Eltern, die aufgrund fehlender sprachlicher, kultureller oder finanzieller Ressourcen über einen eingeschränkten Zugang zu universellen Informations- und Bildungsangeboten im Erziehungsbereich verfügen.
4.3 Familienergänzende Kinderbetreuung
4.3.1 Grundsätze
Art. 43
Ziel und Form
1 Das Leistungsangebot der familienergänzenden Kinderbetreuung dient der
Sicherstellung folgender Ziele:
a Existenzsicherung von Familien,
b Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Eltern,
c Integration von Kindern in einem sozialen Netz,
d Chancengleichheit,
e sprachliche Integration der Kinder.
2 Es ist primär auf Erziehungsberechtigte ausgerichtet, die zur Erreichung dieser Ziele auf mitfinanzierte familienergänzende Betreuung angewiesen sind.
3 Es wird in Form von Betreuungsgutscheinen erbracht.
Art. 44
Betreuungsgutscheine
1 Betreuungsgutscheine sind eine geldwerte Leistung der Gemeinden an die
Kosten der Erziehungsberechtigten für die Angebote familienergänzender Kinderbetreuung.
2 Sie berechtigen die Erziehungsberechtigten bei entsprechendem Bedarf zum
Bezug von vergünstigten Angeboten der familienergänzenden Kinderbetreuung
bei einem am Gutscheinsystem teilnehmenden Leistungserbringer ihrer Wahl
im Kanton.
3 Die Höhe der Betreuungsgutscheine bemisst sich nach der Einkommens- und
Vermögenssituation der Erziehungsberechtigten, der Familiengrösse sowie
dem Bedarf.
4.3.2 Gemeinden
Art. 45
Teilnahme am Gutscheinsystem
1 Die Gemeinden entscheiden darüber, ob sie am Gutscheinsystem teilnehmen.
860.2 14
2 Gemeinden, die am Gutscheinsystem teilnehmen, sind verpflichtet, die von
der GSI bereitgestellte Webapplikation zu verwenden.
Art. 46
Zugänglichkeit
1 Die Gemeinden können die Betreuungsgutscheine kontingentieren.
2 Der Regierungsrat kann durch Verordnung festlegen, welche Prioritäten im
Fall einer Kontingentierung zu beachten sind.
4.3.3 Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger
Art. 47
Bedarf an Betreuungsgutscheinen
1 Einen Bedarf an Betreuungsgutscheinen haben Erziehungsberechtigte, wenn
a sie erwerbstätig sind oder einer Tätigkeit nachgehen, die der Erwerbstätigkeit gleichgestellt ist,
b die familienergänzende Kinderbetreuung zur sozialen oder sprachlichen
Integration notwendig ist oder
c gesundheitliche Gründe die Kinderbetreuung im eigenen Haushalt über
längere Zeit ganz oder teilweise verunmöglichen.
2 Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten durch Verordnung. Er regelt insbesondere allfällige Zusatzleistungen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen
und die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Verhältnisse.
Art. 48
Mitwirkungspflicht
1 Die Erziehungsberechtigten als Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger sind dazu verpflichtet,
a die notwendigen Unterlagen termingerecht einzureichen,
b die notwendigen Personen und Stellen zu ermächtigen, der zuständigen
Stelle bzw. den von ihr beauftragten Dritten die erforderlichen Auskünfte
zu erteilen sowie Unterlagen und Daten zur Verfügung zu stellen,
c jede Änderung der Verhältnisse, die eine Anpassung des Betreuungsgutscheins zur Folge haben könnte, unaufgefordert und unverzüglich zu melden.
2 Verletzen sie ihre Mitwirkungspflichten, können die Leistungen vorübergehend oder dauernd verweigert werden.
15 860.2
4.3.4 Leistungserbringer
Art. 49
Zulassung
1 Die zuständige Stelle der GSI erteilt Kindertagesstätten und Tagesfamilienorganisationen die Zulassung zur Entgegennahme von Betreuungsgutscheinen.
2 Leistungserbringer mit Zulassung haben die Gesamtarbeitsverträge oder die
orts- und branchenüblichen Arbeitsbedingungen einzuhalten.
3 Der Regierungsrat legt die weiteren Anforderungen, insbesondere die Qualitätsvorgaben, durch Verordnung fest.
4 Die Zulassung erfolgt auf Gesuch hin. Sie wird kostenlos erteilt.
Art. 50
Einschränkung, Entzug und Erlöschen
1 Für Einschränkung, Entzug und Erlöschen der Zulassung sind Artikel 93 und
94 sinngemäss anwendbar.
Art. 51
Pflichten
1 Wer zur Entgegennahme von Betreuungsgutscheinen zugelassen ist, hat
a den zuständigen Behörden die zur Überprüfung der Qualität der Leistungserbringung und zur ordnungsgemässen Abrechnung erforderlichen
Daten und Kennzahlen zu liefern,
b den zuständigen Behörden Angaben über die betreuten Kinder und deren
Betreuungspensum zu liefern,
c bei Bedarf mit involvierten Stellen zusammenzuarbeiten,
d die von der GSI bereitgestellte Webapplikation zu verwenden.
Art. 52
Pflichtverletzungen
1 Bei Pflichtverletzungen ist Artikel 103 sinngemäss anwendbar.
Art. 53
Veröffentlichung
1 Die zuständige Stelle der GSI veröffentlicht eine Liste der zugelassenen Leistungserbringer.
4.3.5 Verfahren und Datenschutz
Art. 54
Verfahren
1 Die Erziehungsberechtigten reichen bei der zuständigen Stelle ein Gesuch
um Betreuungsgutscheine ein.
860.2 16
2 Die zuständige Stelle prüft das Gesuch und verfügt über die Gutscheinberechtigung und deren Höhe. Der Betreuungsgutschein wird befristet erteilt.
3 Die zuständige Stelle entrichtet den Gutscheinbetrag an den Leistungserbringer, bei dem das Kind betreut wird.
Art. 55
Rückerstattung
1 Die Wohnsitzgemeinde fordert Beiträge, die aufgrund von unrichtigen Angaben oder Verschweigen von Tatsachen zu Unrecht an Erziehungsberechtigte
gewährt oder an Leistungserbringer ausbezahlt wurden, mit Verzugszinsen zurück.
2 Unterlässt sie dies, kürzt die zuständige Stelle der GSI den dem Lastenausgleich anrechenbaren Betrag.
Art. 56
Datenbearbeitung
1 Die für die Ausstellung der Betreuungsgutscheine zuständige Stelle ist berechtigt, die im Gesuch enthaltenen Daten einschliesslich besonders schützenswerter Personendaten zu bearbeiten. *
2 Die Leistungserbringer sind berechtigt, die zur Bestätigung des Betreuungsverhältnisses erforderlichen Angaben aus dem Gesuch sowie die Verfügung,
mit welcher der Betreuungsgutschein gewährt wird, einzusehen.
3 Die Datenbearbeitung erfolgt in Anwendung der von der GSI bereitgestellten
Webapplikation in einem elektronischen Abrufverfahren.
Art. 57
Steuerdaten
1 Die für die Ausstellung der Betreuungsgutscheine zuständige Stelle ist mit
dem Einverständnis der betroffenen Personen berechtigt, zur Feststellung der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Erziehungsberechtigten in einem Abrufverfahren auf die hierfür erforderlichen Steuerdaten der kantonalen Steuerverwaltung zuzugreifen.
4.4 Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA)
Art. 58
1 Die OKJA bezweckt, Kinder und Jugendliche sowie deren Umfeld zu stützen,
zu fördern und ihnen einen angemessenen Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen.
2 Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten zu den Angeboten durch Verordnung.
17 860.2
4.5 Beratungs- und Informationsangebote für Kinder und Jugendliche
Art. 59 mit Behinderungen sowie deren Familien
1 Die GSI stellt unter Berücksichtigung der Angebote anderer Direktionen Beratungs- und Informationsangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder in besonders schwierigen psychosozialen Verhältnissen sowie für deren Familien bereit.
4.6 Pädagogisch-therapeutische Massnahmen
Art. 60
1 Die GSI stellt unter Berücksichtigung der Angebote der Volksschule die erforderlichen Leistungsangebote in folgenden Bereichen bereit, insbesondere:
a pädagogisch-therapeutische Massnahmen für Kinder und Jugendliche im
Vor- und Nachschulalter,
b heilpädagogische Früherziehung.
2 Sie kann den Vollzug der Aufgaben nach Absatz 1 einschliesslich der damit
verbundenen Verfügungskompetenz einer anderen geeigneten Behörde oder
Stelle übertragen.
4.7 Finanzierung
Art. 61
Beiträge an Leistungserbringer
1 Die GSI oder die Gemeinden gewähren Beiträge an die von ihnen beauftragten Leistungserbringer.
2 Die GSI kann Kindertagesstätten mit einer Zulassung nach Artikel 49 Absatz
1 Beiträge zur Sicherstellung des beruflichen Nachwuchses ausrichten.
Art. 62
Beiträge an Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger
1 Die zuständige Stelle der GSI kann Beiträge an Personen gewähren für die
Inanspruchnahme der Leistungsangebote nach Artikel 37, soweit diese nicht
mit Eigenleistungen, mit Leistungen Dritter oder mit Betriebsbeiträgen der GSI
finanziert werden können.
Art. 63
Finanzierung der Betreuungsgutscheine
1 Die Gemeinden gewähren Beiträge an die Kosten der familienergänzenden
Kinderbetreuung in Form von Betreuungsgutscheinen.
860.2 18
5 Leistungsangebote der beruflichen und sozialen Integration
5.1 Leistungsangebote
Art. 64
Ziel
1 Die GSI und die Gemeinden sorgen für die erforderlichen Angebote zur beruflichen und sozialen Integration.
2 Diese Leistungsangebote bezwecken, die berufliche und soziale Integration
von gegenüber der Arbeitslosenversicherung oder der Invalidenversicherung nicht oder nicht hinreichend anspruchsberechtigten, erwerbslosen Personen sowie von allen erwerbslosen Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu
fördern.
Art. 65
Inhalt
1 Die Leistungsangebote der beruflichen und sozialen Integration umfassen insbesondere die folgenden Bereiche:
a Massnahmen zur Integration in den ersten Arbeitsmarkt,
b Projekte der beruflichen Integration,
c Massnahmen zur Sicherung und Unterstützung der beruflichen Integration,
d Massnahmen zur Vorbereitung und Abklärung der beruflichen Integration,
e Massnahmen zur sozialen Integration.
Art. 66
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
1 Die Leistungserbringer und die zuständigen Behörden arbeiten mit der
Wirtschaft, den Gewerkschaften und den Verbänden zusammen.
Art. 67
Zuständigkeiten
1 Die GSI
a stellt die erforderlichen Angebote nach Artikel 65 bereit,
b sieht eine angemessene regionale Angebotsverteilung vor,
c koordiniert ihre Angebote mit jenen der Arbeitsmarktbehörden und der Bildungsbehörden sowie im Rahmen der interinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ).
2 Die Gemeinden können ergänzende Angebote nach Artikel 65 bereitstellen.
19 860.2
5.2 Finanzierung
Art. 68
Beiträge an Leistungserbringer
1 Die GSI gewährt Beiträge an die von ihr beauftragten Leistungserbringer.
Art. 69
Beiträge an Gemeinden
1 Die GSI kann den Gemeinden, die auf eigene Kosten ergänzende Angebote
bereitstellen, Beiträge an die Kosten dieser Angebote gewähren.
Art. 70
Beiträge an Sozialdienste und Fachstellen
1 Die GSI kann den Sozialdiensten und zuweisenden Fachstellen Beiträge
gewähren für die Finanzierung der Teilnahme einer Leistungsempfängerin oder
eines Leistungsempfängers an einem Leistungsangebot nach Artikel 65.
6 Weitere soziale Leistungsangebote
6.1 Leistungsangebote
Art. 71
Ziel
1 Die GSI und die Gemeinden sorgen für die erforderlichen weiteren Angebote
zur sozialen Integration.
2 Diese dienen der sozialen Stabilisierung und der Aktivierung der persönlichen
Ressourcen und damit der Förderung der Eigenverantwortung und eines
selbstbestimmten Lebens.
Art. 72
Inhalt
1 Die weiteren sozialen Leistungsangebote umfassen insbesondere die folgenden Bereiche:
a Schuldenberatung,
b Schutzunterkünfte,
c Beratung und Betreuung von Menschen, welche die Prostitution ausüben,
d Beratung von Menschen, die von einer übertragbaren Krankheit betroffen
sind,
e Ehe-, Partnerschafts- und Familienberatung,
f Betreuung von Menschen mit einem besonders anspruchsvollen sozialen
Bedarf,
g Transporte zur sozialen Teilhabe von Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung.
860.2 20
Art. 73
Zuständigkeit
1 Die GSI stellt die erforderlichen Angebote nach Artikel 72 bereit.
2 Die Gemeinden können ergänzende Angebote bereitstellen.
Art. 74
Transporte zur sozialen Teilhabe von Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigung
1 Die zuständige Stelle der GSI kann eine geeignete juristische Person mit der
Erbringung folgender Leistungen beauftragen:
a Festlegung der Kriterien für eine Berechtigung, vergünstigte Transportdienste anzubieten,
b Erteilung dieser Berechtigung durch Verfügung,
c Festlegung der Kriterien für einen individuellen Transportanspruch der
Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger sowie Bestimmung
von dessen Höhe und des Selbstbehalts,
d Erteilung des individuellen Transportanspruchs,
e Abrechnung der Fahrten.
2 Die zuständige Stelle der GSI genehmigt die Kriterien nach Absatz 1 Buchstaben a und c.
6.2 Finanzierung
Art. 75
Beiträge an Leistungserbringer
1 Die GSI gewährt Beiträge an die von ihr beauftragten Leistungserbringer.
Art. 76
Beiträge an Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger
1 Die zuständige Stelle der GSI kann Beiträge an Personen gewähren für die
Inanspruchnahme der Leistungsangebote nach Artikel 72, soweit diese nicht
mit Eigenleistungen, mit Leistungen Dritter oder mit Betriebsbeiträgen der GSI
finanziert werden können.
7 Besondere Massnahmen und Modellversuche
Art. 77
Besondere Massnahmen
1 Die GSI kann zur Erreichung des Zwecks und der Ziele dieses Gesetzes besondere Massnahmen treffen.
2 Sie kann
a Leistungsangebote für besondere Bedürfnisse bereitstellen,
b Beiträge an Organisationen oder beauftragte Dritte gewähren,
21 860.2
c die Freiwilligenarbeit fördern und unterstützen,
d Studien und Evaluationen fördern.
Art. 78
Modellversuche
1 Die GSI kann Modellversuche durchführen oder im Rahmen der dafür bewilligten Ausgaben mit Beiträgen fördern und unterstützen, um neue oder veränderte Methoden, Konzepte, Regelungen, Formen oder Abläufe zu erproben
a im Bereich der sozialen Leistungsangebote,
b in den Kooperationsfeldern des Geltungsbereichs dieses Gesetzes sowie
den Geltungsbereichen des Gesundheitsgesetzes vom 2. Dezember 1984
(GesG)9), des Spitalversorgungsgesetzes vom 13. Juni 2013 (SpVG)10)
und des Gesetzes vom 11. Juni 2001 über die öffentliche Sozialhilfe
(Sozialhilfegesetz, SHG)11), soweit diese Modellversuche vor- und nachgelagerte Versorgungsbereiche betreffen.
2 Sie fördert oder unterstützt insbesondere solche Projekte, die auf die Entwicklung und Umsetzung von integrierten Versorgungsmodellen, Systemdurchlässigkeit, innovativen Präventions- und Integrationsansätzen, Anreizsystemen
und Abgeltungsformen ausgerichtet sind.
Art. 79
Grundsätze für Modellversuche
1 Für die Modellversuche gelten folgende Grundsätze:
a Die Bedürfnisse und der Schutz der betroffenen Personen sind zu berücksichtigen.
b Die Modellversuche müssen auf die Erzielung sozialer, versorgungstechnischer oder wirtschaftlicher Verbesserungen ausgerichtet sein.
c Sie sind durch ein Controlling zu begleiten und müssen evaluiert werden.
2 Die zuständige Stelle der GSI regelt die Modellversuche in Leistungsverträgen mit den Leistungserbringern oder mit geeigneten Organisationen.
3 Der Regierungsrat kann zur Durchführung von Modellversuchen Versuchsverordnungen nach Artikel 44 des Gesetzes vom 20. Juni 1995 über die Organisation des Regierungsrates und der Verwaltung (Organisationsgesetz, OrG)12) erlassen.
9) BSG 811.01
10) BSG 812.11
11) BSG 860.1
12) BSG 152.01
860.2 22
8 Aus- und Weiterbildung
8.1 Allgemeines
Art. 80
1 Die zuständige Stelle der GSI kann Massnahmen im Bereich der Aus- und
Weiterbildung in nichtuniversitären Gesundheits- und Sozialberufen ergreifen,
wenn die Sicherstellung des beruflichen Nachwuchses in den Betrieben der
Leistungserbringer nach Absatz 2 gefährdet ist. *
2 Die Bestimmungen über die Aus- und Weiterbildung gelten für folgende Leistungserbringer:
a Wohn- und Pflegeheime für Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf,
a1 * Wohnheime für Menschen mit Behinderungen,
b Spitex-Organisationen.
3 Der Regierungsrat bezeichnet die nichtuniversitären Gesundheitsberufe durch
Verordnung.
8.2 Praktische Aus- und Weiterbildung
Art. 81 Pflicht
1 Die Leistungserbringer beteiligen sich an der praktischen Aus- und Weiterbildung in den vom Regierungsrat bezeichneten nichtuniversitären Gesundheitsberufen, indem sie ihre Aus- und Weiterbildungsplätze für im Kanton gelegene
schulische Bildungsanbieter bereitstellen.
2 Wenn im Kanton Anbieter für einzelne Berufe fehlen oder nicht in der entsprechenden Amtssprache vorhanden sind, können die Leistungserbringer Plätze
für ausserhalb des Kantons Bern gelegene Bildungsanbieter bereitstellen.
Art. 82 Ausbildungskonzept
1 Jeder Leistungserbringer erstellt ein Ausbildungskonzept.
2 Das Ausbildungskonzept beschreibt die betrieblichen Voraussetzungen sowie
die Ziele und Schwerpunkte der praktischen Aus- und Weiterbildung in den
vom Regierungsrat bezeichneten nichtuniversitären Gesundheitsberufen.
23 860.2
Art. 83 Aus- und Weiterbildungsleistung
1 Die zuständige Stelle der GSI legt gegenüber jedem Leistungserbringer die in
einem Rechnungsjahr zu erbringende Aus- und Weiterbildungsleistung fest.
Sie stützt sich dabei auf die kantonale Versorgungsplanung und die kantonalen
Vorgaben zum Ausbildungspotenzial.
2 Die kantonalen Vorgaben zur Berechnung des Ausbildungspotenzials des
Leistungserbringers berücksichtigen insbesondere
a die Anzahl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Leistungserbringers in
den nichtuniversitären Gesundheitsberufen,
b die Struktur des Betriebs des Leistungserbringers,
c die diagnostischen, therapeutischen und pflegerischen Leistungen im stationären und ambulanten Bereich des Leistungserbringers.
3 Der Leistungserbringer kann die Aus- und Weiterbildungsleistung im eigenen
Betrieb erbringen oder einen im Kanton Bern gelegenen Leistungserbringer damit beauftragen.
4 Der Regierungsrat regelt die Gewichtung für jede Aus- und Weiterbildung
durch Verordnung und macht Vorgaben zum Ausbildungspotenzial der Leistungserbringer.
Art. 84 Abgeltung
1 Der Leistungserbringer meldet der zuständigen Stelle der GSI am Ende des
Rechnungsjahres für jeden nichtuniversitären Gesundheitsberuf die Aus- und
Weiterbildungswochen, die während des Rechnungsjahres erbracht worden
sind.
2 Die zuständige Stelle der GSI entrichtet dem Leistungserbringer die Abgeltung für die im Rechnungsjahr erbrachte Aus- und Weiterbildungsleistung. Vergütungen für die Aus- und Weiterbildungsleistung, die der Leistungserbringer
nach KVG erhält, werden davon abgezogen.
3 Die zuständige Stelle der GSI kann dem Leistungserbringer während des
Rechnungsjahres auf der Grundlage der festgelegten Aus- und Weiterbildungsleistung periodische Vorschüsse ausrichten.
4 Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten zur Entrichtung der Abgeltung
durch Verordnung.
860.2 24
Art. 85 Ausgleichszahlung
1 Liegt die erbrachte Aus- und Weiterbildungsleistung des Leistungserbringers
unter der festgelegten Aus- und Weiterbildungsleistung, hat der Leistungserbringer eine Ausgleichszahlung zu leisten.
2 Die Höhe der Ausgleichszahlung entspricht höchstens dem Betrag, der sich
aus der Multiplikation folgender Faktoren ergibt:
a Abgeltung für die festgelegte Aus- und Weiterbildungsleistung,
b dreifache prozentuale Differenz zwischen festgelegter und im Rechnungsjahr erbrachter Aus- und Weiterbildungsleistung.
3 Die Pflicht zur Ausgleichszahlung besteht erst, wenn ein Toleranzwert überschritten ist.
4 Bei einer Überschreitung des Toleranzwerts wird auf die Anordnung einer
Ausgleichszahlung verzichtet, wenn der Leistungserbringer nachweist, dass ihn
kein Verschulden trifft.
5 Der Regierungsrat regelt die Einzelheiten zur Ausgleichszahlung und insbesondere die Höhe des Toleranzwerts durch Verordnung.
8.3 Theoretische Aus- und Weiterbildung
Art. 86 Zweck und Berichterstattung
1 Zur Sicherung des beruflichen Nachwuchses in den nichtuniversitären Gesundheitsberufen kann die zuständige Stelle der GSI den im Kanton gelegenen
Leistungserbringern Beiträge für die theoretische Aus- und Weiterbildung ihres
Personals gewähren.
2 Sie erstattet dem Regierungsrat jährlich Bericht und gibt darin insbesondere
Auskunft über die Höhe der gewährten Beiträge.
Art. 87 Voraussetzungen
1 Beiträge können für eine Aus- oder Weiterbildung von Personal des Leistungserbringers gewährt werden, wenn es sich um einen vom Regierungsrat
bezeichneten nichtuniversitären Gesundheitsberuf mit einem in der kantonalen
Versorgungsplanung ausgewiesenen Bedarf handelt.
Art. 88 Höhe der Beiträge
1 Die Beiträge decken die Kosten, welche die Institutionen für die Durchführung
ihrer Aus- und Weiterbildung dem Leistungserbringer oder der beim Leistungserbringer angestellten Person in Rechnung stellen.
25 860.2
9 Bewilligung und Aufsicht bei Heimen und Spitex-Organisationen
9.1 Betriebsbewilligung
Art. 89 Bewilligungspflicht
1 Einer Betriebsbewilligung bedürfen
a Leistungserbringer, die ein Heim betreiben und den aufgenommenen Personen Unterkunft sowie Unterstützungsleistungen in Form von Pflege,
Betreuung oder Therapie gewähren,
b Spitex-Organisationen.
2 Der Regierungsrat legt durch Verordnung fest, welche Einrichtungen nicht als
Heim bewilligt werden, weil aufgrund der erbrachten Unterstützungsleistungen
keine besondere Schutzbedürftigkeit besteht.
Art. 90 Voraussetzungen für Heime
1 Die Betriebsbewilligung zur Führung eines Heims wird einer juristischen Person erteilt, die nachweist, dass
a eine fachgerechte Pflege, Betreuung oder Therapie der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger gewährleistet ist,
b das Infrastruktur- und Leistungsangebot den Bedürfnissen der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger entspricht,
c eine qualifizierte Leitung sowie der Einsatz von genügend Fach- und Hilfspersonal gewährleistet ist,
d das Angebot in einem Betriebskonzept umschrieben ist,
e das spezifische Betriebsrisiko durch eine Betriebshaftpflichtversicherung
hinreichend abgedeckt ist.
2 Die Betriebsbewilligung zur Unterkunft und Unterstützung in privaten Haushalten wird natürlichen Personen erteilt, wenn die Voraussetzungen nach Absatz 1 erfüllt sind.
3 Bei Pflegeheimen muss überdies nachgewiesen werden, dass die für den Bereich Pflege verantwortliche Fachperson über eine Berufsausübungsbewilligung verfügt.
Art. 91 Voraussetzungen für Spitex-Organisationen
1 Die Betriebsbewilligung zur Führung einer Spitex-Organisation wird einer juristischen Person erteilt, die nachweist, dass
a eine fachgerechte Pflege und Betreuung der Leistungsempfängerinnen
und Leistungsempfänger gewährleistet ist,
860.2 26
b das Infrastruktur- und Leistungsangebot den Bedürfnissen der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger entspricht,
c eine qualifizierte Leitung sowie der Einsatz von genügend qualifiziertem
Personal gewährleistet wird,
d das Angebot in einem Betriebskonzept umschrieben ist,
e das spezifische Betriebsrisiko durch eine Betriebshaftpflichtversicherung
hinreichend abgedeckt ist,
f die für den Bereich Pflege verantwortliche Fachperson über eine Berufsausübungsbewilligung verfügt.
Art. 92 Zuständigkeit
1 Die zuständige Stelle der GSI erteilt die Betriebsbewilligung für Heime und für
Spitex-Organisationen.
2 Der Regierungsrat kann die Zuständigkeit für die Erteilung von Betriebsbewilligungen zur Unterkunft und Unterstützung in privaten Haushalten durch Verordnung den Standortgemeinden übertragen.
9.2 Einschränkung, Entzug und Erlöschen der Betriebsbewilligung
Art. 93 Einschränkung der Betriebsbewilligung
1 Die Betriebsbewilligung kann befristet oder unter Bedingungen erteilt sowie
mit Auflagen verbunden werden.
2 Die beabsichtigte Tätigkeit kann auch nur teilweise bewilligt werden.
Art. 94 Entzug und Erlöschen der Betriebsbewilligung
1 Die für die Bewilligung und Aufsicht zuständige Stelle entzieht eine Betriebsbewilligung, wenn deren Voraussetzungen nicht mehr erfüllt sind oder Tatsachen festgestellt werden, aufgrund derer sie hätte verweigert werden müssen.
2 Die Betriebsbewilligung erlischt mit der Aufgabe der Leistungserbringung.
9.3 Pflichten der Inhaberinnen und Inhaber einer Betriebsbewilligung
Art. 95 Betriebliche Pflichten
1 Wer ein Heim oder eine Spitex-Organisation führt, hat
a die Gesundheit und die Persönlichkeitsrechte der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger zu wahren,
b die Qualitätssicherung zu gewährleisten,
c den Betrieb wirtschaftlich zu führen und
d die Tarifeinnahmen zweckgemäss zu verwenden.
27 860.2
2 Die strategische Führung der Trägerschaft ist von der operativen Ebene des
Leistungserbringers mehrheitlich personell unabhängig.
3 Verantwortlich für die Erfüllung der betrieblichen Pflichten sind die Inhaberinnen und Inhaber der Bewilligung. Sie überprüfen regelmässig, ob
a die Betriebsführung in der Institution den gesetzlichen Vorschriften entspricht,
b die operative Leitung ihre Aufgaben wahrnimmt.
4 Für private Haushalte gelten die betrieblichen Pflichten sinngemäss.
Art. 96 Betriebliche Pflichten von Heimen
1 Heime haben zusätzlich zu den Bestimmungen von Artikel 95
a die Aufnahmebedingungen offenzulegen,
b mit den Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfängern oder ihren
gesetzlichen Vertretungen schriftliche Verträge abzuschliessen und
c die Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger sowie ihre Angehörigen über ihre Rechte und Pflichten in geeigneter Weise zu informieren.
2 Der Regierungsrat kann durch Verordnung Mindestanforderungen für die Verträge zwischen den Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfängern und
dem Heim festlegen.
Art. 97 Rechnungslegung und Kostenrechnung
1 Wer ein Heim oder eine Spitex-Organisation führt, hat
a die Jahresrechnung auf der Grundlage des durch den Regierungsrat bestimmten Rechnungslegungsstandards zu führen,
b den vom Regierungsrat bestimmten Kostenrechnungsstandard anzuwenden.
2 Wer ein Heim führt, hat überdies der zuständigen Stelle der GSI den Investitionskostenanteil der Abgeltung abzüglich der Anlagenutzungskosten zur Kenntnis zu bringen sowie dessen Verwendung auszuweisen.
Art. 98 Meldepflichten
1 Wer für sein Leistungsangebot einer Bewilligungspflicht unterliegt, meldet der
zuständigen Aufsichtsbehörde
a wesentliche Änderungen des Betriebskonzepts, der Infrastruktur und der
Leitung, bevor die Änderungen umgesetzt werden,
860.2 28
b unverzüglich andere wesentliche Änderungen betreffend die Bewilligungsvoraussetzungen sowie wesentliche Änderungen, welche die Erfüllung
von übertragenen öffentlichen Aufgaben beeinträchtigen könnten.
2 Der Regierungsrat kann weitere Meldepflichten durch Verordnung festlegen.
Art. 99 Aufnahmepflicht für Heime in Ausnahmefällen
1 In Ausnahmefällen kann die zuständige Stelle der GSI geeignete Heime
durch Verfügung zur Aufnahme einer bestimmten Person verpflichten.
2 Die Verpflichtung zur Aufnahme kann für die Dauer von maximal zwölf Monaten angeordnet werden und einmalig um maximal zwölf Monate verlängert werden.
3 Die aufzunehmende Person muss
a ihren zivilrechtlichen Wohnsitz im Kanton aufweisen,
b einen dringenden behinderungs-, psychosozial-, pflege- oder suchtbedingten Bedarf an Unterstützung in einer stationären Einrichtung aufweisen und
c trotz nachgewiesener intensiver, den Umständen entsprechender Suche
nicht in einer geeigneten Institution aufgenommen worden sein.
4 Die zuständige Stelle der GSI ersetzt die beim verpflichteten Heim durch die
Aufnahmepflicht zusätzlich angefallenen, nachgewiesenen und notwendigen
Kosten auf deren Gesuch hin.
5 Widersetzt sich das verpflichtete Heim der verfügten Aufnahme, kann die zuständige Stelle der GSI Massnahmen gemäss Artikel 103 anordnen.
9.4 Aufsicht
Art. 100 Zuständigkeit
1 Wer für sein Leistungsangebot einer kantonalen Bewilligungspflicht unterliegt,
ist der Aufsicht der zuständigen Stelle der GSI unterstellt.
2 Die Gemeinden beaufsichtigen die Leistungserbringer, die einer kommunalen
Bewilligungspflicht unterliegen. Sie können eine andere Gemeinde als zuständig bezeichnen.
3 Die zuständige Aufsichtsbehörde überprüft risikobasiert, ob die Leistungserbringer die gesetzlichen Voraussetzungen für ihre Tätigkeit erfüllen und ihre
Leistungen in guter Qualität erbringen. Zu diesem Zweck kann sie jederzeit
Kontrollen durchführen.
29 860.2
Art. 101 Übertragung von Aufsichtsaufgaben an Dritte
1 Die zuständige Aufsichtsbehörde kann Dritte beauftragen, bei den Leistungserbringern Kontrollen im Rahmen der Aufsicht durchzuführen und ihr Bericht zu
erstatten.
Art. 102 Mitwirkungspflichten
1 Die Leistungserbringer erteilen der zuständigen Aufsichtsbehörde Auskünfte
und gewähren ihr Einsicht in Akten, wenn nötig auch in besonders schützenswerte Personendaten. *
2 Sie verschaffen ihr Zutritt zu den Räumlichkeiten und Einrichtungen und unterstützen sie in allen Belangen, soweit dies für die Wahrnehmung der Aufsicht
erforderlich ist.
3 Ihre Organe und Hilfspersonen können sich gegenüber der zuständigen Aufsichtsbehörde nicht auf gesetzliche oder vertragliche Geheimhaltungspflichten
berufen.
Art. 103 Massnahmen gegen Inhaberinnen und Inhaber einer Betriebsbewilligung
1 Bei Verletzung betrieblicher Pflichten, Missachtung von Auflagen oder Bedingungen oder Verstoss gegen die Vorschriften dieses Gesetzes oder dessen
Ausführungserlasse können gegen die Inhaberin oder den Inhaber einer
Betriebsbewilligung folgende Massnahmen angeordnet werden:
a Verwarnung,
b Busse bis zu 50'000 Franken,
c Entzug der Bewilligung.
2 Die Bewilligung kann ganz oder teilweise, auf bestimmte oder auf unbestimmte Zeit entzogen, an Bedingungen geknüpft, mit Auflagen verbunden oder in eine befristete Bewilligung umgewandelt werden.
Art. 104 Verjährung
1 Die administrative Verfolgung verjährt nach Ablauf von zwei Jahren, nachdem
die zuständige Aufsichtsbehörde vom beanstandeten Vorfall Kenntnis erhalten
hat.
2 Die Frist wird durch jede Untersuchungs- und Prozesshandlung über den beanstandeten Vorfall unterbrochen, welche die zuständige Aufsichtsbehörde, eine Strafverfolgungsbehörde oder ein Gericht vornimmt.
860.2 30
3 Die administrative Verfolgung verjährt in jedem Fall nach Ablauf von zehn
Jahren nach dem beanstandeten Vorfall.
Art. 105 Amtshilfe
1 Die Gerichts- und Verwaltungsbehörden melden der zuständigen Aufsichtsbehörde unverzüglich Vorfälle, die auf eine Verletzung betrieblicher Pflichten hindeuten.
Art. 106 Ausführungsbestimmungen
1 Der Regierungsrat erlässt durch Verordnung nähere Vorschriften über
a die Bewilligungsvoraussetzungen,
b die Aufsicht,
c das Verfahren.
2 Er erlässt überdies Kriterien für eine risikobasierte Kontrolle der betrieblichen
Pflichten.
10 Bewilligung und Aufsicht bei Tagesbetreuung
Art. 107 Bewilligung und Aufsicht bei Kindertagesstätten
1 Der Betrieb von Kindertagesstätten bedarf einer Bewilligung und untersteht
der Aufsicht der zuständigen Stelle der GSI.
2 Für die Bewilligung und Aufsicht gelten die Bestimmungen der eidgenössischen Pflegekindergesetzgebung.
3 Der Regierungsrat legt durch Verordnung weitere Bewilligungsvoraussetzungen sowie Vorgaben zur Qualität fest.
Art. 108 Bewilligung und Aufsicht bei Tagesfamilienorganisationen
1 Tagesfamilienorganisationen (TFO) bedürfen einer Bewilligung und unterstehen der Aufsicht der zuständigen Stelle der GSI.
2 TFO
a vermitteln die regelmässige Betreuung von Kindern in den bei ihnen angestellten Tagesfamilien,
b beaufsichtigen die bei ihnen angestellten Tagesfamilien.
Art. 109 Aufsicht über Tagesfamilien
1 Die bewilligten TFO beaufsichtigen die bei ihnen angestellten Tagesfamilien.
31 860.2
2 Die GSI führt die Aufsicht über die übrigen Tagesfamilien. Sie erhebt eine Gebühr dafür.
Art. 110 Übertragung von Aufsichtsaufgaben an Dritte
1 Die zuständige Aufsichtsbehörde kann Dritte beauftragen, Kontrollen im Rahmen der Aufsicht durchzuführen und ihr Bericht zu erstatten.
11 Datenschutz
11.1 Datenbearbeitung
Art. 111 Anwendbares Recht und besonders schützenswerte Daten *
1 Für den Vollzug dieses Gesetzes ist die kantonale Datenschutzgesetzgebung
massgebend.
2 Die mit dem Vollzug dieses Gesetzes betrauten Behörden und Leistungserbringer dürfen besonders schützenswerte Personendaten, insbesondere über
die Gesundheit und Massnahmen der sozialen Hilfe oder des Kindes- und Erwachsenenschutzes, bearbeiten und mit anderen kantonalen und kommunalen
Behörden sowie Leistungserbringern austauschen, soweit dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben nach diesem Gesetz zwingend notwendig ist. *
3 Soweit es zur Erfüllung ihrer Aufgaben zwingend notwendig ist, können sie
aus zentralen Personendatensammlungen des Kantons folgende Daten abrufen, einschliesslich früherer Daten:
a * Angaben zu Massnahmen der sozialen Hilfe oder des Kindes- und Erwachsenenschutzes,
b Angaben zum Haushalt,
c Angaben zur Gesundheit.
Art. 112 Auskunftspflicht
1 Soweit die Informationen zur Abklärung der finanziellen Verhältnisse von
Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfängern nach diesem Gesetz notwendig sind und keine besonderen Vorschriften des Bundesrechts entgegenstehen, sind die Steuerbehörden gegenüber den mit dem Vollzug dieses Gesetzes betrauten Stellen zur Erteilung von Auskünften verpflichtet.
860.2 32
Art. 113 Anzeigepflichten und -rechte
1 Die Mitteilungspflichten nach Artikel 48 Absatz 1 des Einführungsgesetzes
vom 11. Juni 2009 zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur
Jugendstrafprozessordnung (EG ZSJ)13) entfallen, wenn
a die Informationen vom Opfer stammen,
b die Informationen von der Ehegattin oder vom Ehegatten, von der eingetragenen Partnerin oder vom eingetragenen Partner, von der Lebenspartnerin oder vom Lebenspartner, von einem Elternteil, Geschwister oder
Kind des Opfers stammen oder
c das Opfer Ehegattin oder Ehegatte, eingetragene Partnerin oder eingetragener Partner oder Lebenspartnerin oder Lebenspartner, Elternteil, Geschwister oder Kind der vermuteten Täterschaft ist.
11.2 Datenlieferung
Art. 114 Leistungserbringer und Gemeinden
1 Die Leistungserbringer liefern der zuständigen Stelle der GSI innert angesetzter Frist alle Daten, die erforderlich sind für
a die Bedarfserhebung, Analyse, Planung und Wirkungskontrolle der sozialen Leistungsangebote,
b die vergleichende Überprüfung der Qualität,
c die vergleichende Überprüfung der Leistungskosten,
d die Überprüfung der Einhaltung von gesetzlichen Pflichten,
e die Überprüfung der Erreichung von Zielen und Wirkungen der Leistungsangebote sowie der Kennzahlen,
f die Überprüfung der Abgeltung der Leistungsangebote,
g die Überprüfung der Massnahmen zur Sicherstellung des beruflichen